Spanien

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Spanien
Spa|ni|en; -s:
Staat im S√ľdwesten Europas.

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Spani|en,
 
 
 
Fläche: 504 750 km2
 
Einwohner: (2000) 40,0 Mio.
 
Hauptstadt: Madrid
 
Amtssprache: Spanisch
 
 
Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents
 
 
spanisch Espa√Īa […õs'pa…≤a], amtlich ReŐ£ino de Espa√Īa, deutsch K√∂nigreich Spanien, Staat in S√ľdwesteuropa, auf der Iberischen Halbinsel, einschlie√ülich der Balearen, Kanarischen Inseln und der nordafrikanischen Besitzungen (Ceuta, Melilla u. a.) 504 750 km2 gro√ü mit (2000) 40,0 Mio. Einwohner; Spanien grenzt im Nordosten an Frankreich und Andorra, im Westen an Portugal. Hauptstadt ist Madrid. Amtssprache Spanisch; Katalanisch, Galicisch und Baskisch sind als ¬ĽNationalsprachen¬ę anerkannt. W√§hrung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents. Zeitzone: MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 29. 12. 1978 ist Spanien eine parlamentarische Erbmonarchie. Als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte fungiert der vorwiegend mit repr√§sentativen Befugnissen ausgestattete K√∂nig. Volksvertretung und Gesetzgebungsorgan ist das Zweikammerparlament, die Cortes Generales (Cortes), bestehend aus dem Abgeordnetenhaus (zwischen 300 und 400, derzeit 350 auf vier Jahre im Verh√§ltniswahlsystem gew√§hlte Abgeordnete) und dem Senat (255 Senatoren, davon 208 in den Provinz auf vier Jahre direkt gew√§hlt, 47 von den Parlamenten der autonomen Gemeinschaften ernannt) als Gebietsvertretung. Die Gesetzesinitiative steht beiden Kammern und der Regierung zu. Der Senat verf√ľgt √ľber ein aufschiebendes Vetorecht gegen Gesetzesbeschl√ľsse; es besteht auch die M√∂glichkeit eines Referendums. Der K√∂nig kann das Parlament auf Vorschlag des Ministerpr√§sidenten vorzeitig aufl√∂sen. Die Exekutive liegt bei der Regierung unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten, der vom Abgeordnetenhaus mit absoluter Mehrheit gew√§hlt wird. Die Minister werden vom K√∂nig auf Vorschlag des Regierungschefs ernannt. Als konsultatives Gremium existiert ein 23-k√∂pfiger Staatsrat.
 
Die Verfassung enth√§lt ausf√ľhrliche Grundrechtsbestimmungen; eine Staatsreligion existiert nicht. Gewerkschaftliche Organisationen und Streikrecht sowie die Freiheit der Unternehmen im Rahmen der Marktwirtschaft werden garantiert. Die Todesstrafe ist abgeschafft. Eine Besonderheit ist die M√∂glichkeit der Bildung autonomer Gemeinschaften (Comunidades Aut√≥nomas) aus einzelnen homogenen oder aus benachbarten Provinzen mit historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten, die mehr oder weniger weitgehende innere Selbstverwaltung erlangen (eigene Parlamente und Regierungen). Damit will die Verfassung Autonomiebestrebungen - v. a. der Basken und Katalanen - entgegenkommen.
 
Parteien:
 
Neben den auf gesamtspanische Belange ausgerichteten Parteien besteht eine Vielzahl regionaler Parteien, die sich jedoch an der politischen Willensbildung auf Landesebene (Teilnahme an den allgemeinen Wahlen zu den Cortes) beteiligen. Gesamtspanische Parteien sind v. a. der konservative Partido Popular (PP, deutsch Volkspartei), der sozialdemokratische Partido Socialista Obrero Espa√Īol (PSOE, deutsch Sozialistische Arbeiterpartei) und die Izquierda Unida (IU, deutsch Vereinigte Linke; umfasst die KP Spaniens und kleinere Linksparteien). Zu den wichtigsten regionalen Parteien z√§hlen die katalanische ConvergeŇĄcia i Uni√≥ (CiU, deutsch Konvergenz und Union), der baskische Euzko Alderdi Jetzalea -Partido Nacionalista Vasco (EAJ-PNV, deutsch Baskische Nationalistische Partei), die Coalici√≥n Canaria (CC, deutsch Kanarische Koalition, ein Vierparteienb√ľndnis), der Bloque Nacionalista Galego (BNG, deutsch Galicischer Nationalistischer Block) und die baskische Herri Batasuna (HB, deutsch Einiges Volk, politischer Arm der ETA).
 
 
Zwei Richtungen pr√§gten die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandene spanische Gewerkschaftsbewegung bis zur frankistischen Diktatur: die anarchosyndikalistische Confederaci√≥n National del Trabajo (CNT, gegr√ľndet 1910) und die sozialistische Uni√≥n General de Trabajadores (UGT, gegr√ľndet 1888). Das Franco-Regime errichtete nach Zerschlagung der Gewerkschaften vertikale Staatssyndikate (Centrales Nacional-Sindicalistas, CNS), die 1940-76 Arbeitnehmer und Unternehmer zwangsweise erfassten. Daneben entwickelten sich 1956 als Gewerkschaftsopposition die Comisiones Obreras. Mit der Demokratisierung Mitte der 1970er-Jahre wurden die Staatssyndikate durch freie Gewerkschaften ersetzt. Neben regionalen Verb√§nden wie den baskischen Euzko Langilleen Alkartasuna/Solidaridad de Trabajadores Vascos (ELA/STV; gegr√ľndet 1911; 1996: 110 000 Mitglieder) formierten sich v. a. die anfangs der PSOE nahe stehende UGT (1997: 672 000 Mitglieder) und die Confederaci√≥n Sindical de Comisiones Obreras (CCOO; 1994: 930 000 Mitglieder) mit engen Kontakten zur kommunistischen Partei (PCE). Seit Mitte der 80er-Jahre bem√ľhen sich beide Organisationen aufgrund von Vertrauens- und Mitgliederverlusten um gewerkschaftliche Autonomie. Die nach dem Industriegewerkschaftsprinzip aufgebauten Dachverb√§nde verf√ľgen √ľber regionale und lokale Organisationsstrukturen. International sind UGT und ELA/STV dem IBFG und EGB angeschlossen; dem EGB geh√∂rt seit 1991 auch die CCOO an.
 
 
Das Wappen (1981) zeigt im gevierten Schild die traditionellen Wappenbilder der historischen spanischen Kernlandschaften. Das goldene Kastell auf rotem Grund steht f√ľr Kastilien, der purpurne L√∂we auf silbernem Grund f√ľr Le√≥n; die vier roten Pf√§hle in Gold (eigentlich heraldische Zeichen der Grafschaft Barcelona) symbolisieren Aragonien und Katalonien, das goldene ¬ĽKettennetz¬ę (ein stilisiertes Kettenhemd) Navarra; in der unten eingepfropften Spitze ein an das ehemalige maurische K√∂nigreich Granada erinnernder Granatapfel. Der dem Schildzentrum aufgelegte Herzschild zeigt die heraldischen Lilien der regierenden spanischen Dynastie der Bourbonen. Die beiden S√§ulen seitlich des Schildes (¬ĽS√§ulen des Herkules¬ę, die Bilddevise Kaiser Karls V.) tragen das Motto ¬Ľplus ultra¬ę (¬Ľnoch weiter¬ę, ¬Ľdar√ľber hinaus¬ę), in Anspielung auf die Fahrten des C. Kolumbus.
 
Nationalfeiertage:
 
12. 10. (Día de la Hispanidad), an dem der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gedacht wird.
 
 
Es bestehen 17 autonome Regionen, die 50 Provinzen sowie zahlreiche Gemeinden umschlie√üen. Die autonome Regionen verf√ľgen √ľber eigene Regierung und jeweils f√ľr vier Jahre gew√§hlte Parlamente.
 
 
Das Rechtssystem beruht im Wesentlichen auf r√∂mischem Recht; Rechtsquellen sind u. a. kodifiziert im ¬ĽC√≥digo civil¬ę von 1889. Das Familienrecht ist noch stark von der katholischen Kirche beeinflusst. 1980 wurde ein Arbeitsgesetz verabschiedet, das dem deutschen Betriebsverfassungsrecht √§hnelt, 1996 trat ein neues Strafgesetzbuch in Kraft (ersetzt das aus dem Jahre 1848 stammende Strafrecht). - An der Spitze der Organisation der Gerichtsverwaltung steht der unabh√§ngige Allgemeine Rat der Judikative (¬ĽConsejo General del Poder Judicial¬ę), dessen 20 Mitglieder von den Cortes gew√§hlt und vom K√∂nig ernannt werden. Der Gerichtsaufbau ist im Prinzip dreistufig. H√∂chstes Gericht ist der Oberste Gerichtshof (¬ĽTribunal Supremo¬ę). Ein Verfassungsgericht mit 12 vom K√∂nig auf Vorschlag beider H√§user der Cortes und der Regierung auf neun Jahre ernannten Richtern entscheidet √ľber die Verfassungsm√§√üigkeit von Gesetzen, √ľber Kompetenzstreitigkeiten zwischen Zentralstaat und Autonomen Gemeinschaften sowie √ľber Verfassungsbeschwerden (¬Ľrecurso de amparo¬ę) Einzelner. Auf nationaler Ebene ist ein Hochgericht (Nationalgericht, ¬ĽAudiencia Nacional¬ę), auf der Ebene der Autonomen Gemeinschaften und Provinzen sind Obere Gerichte (¬ĽAudiencias Superiores de Justicia de las Comunidades Aut√≥nomas¬ę beziehungsweise ¬ĽAudiencias Provinciales¬ę) eingerichtet. Die untere Stufe der Gerichtsbarkeit bilden fachlich ausgerichtete Gerichte sowie Amtsgerichte. 1995 wurden per Gesetz Schwurgerichte geschaffen.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit neun Monate) betr√§gt etwa 210 000 Mann. Die paramilit√§rische ¬ĽGuardia Civil¬ę (rd. 70 000 Mann) ist v. a. f√ľr Grenzschutz, innere Sicherheit sowie Bek√§mpfung von Terrorismus und Drogenschmuggel zust√§ndig.
 
Das Heer (rd. 146 000 Soldaten) ist in Man√∂ver-, Mobilisierungs-, Unterst√ľtzungs- und Territorialkr√§fte unterteilt. Die Man√∂verkr√§fte verf√ľgen √ľber die mechanisierte ¬ĽBrunete¬ę-Division, bestehend aus einer Panzerbrigade, zwei mechanisierten Infanteriebrigaden und einem Panzeraufkl√§rungsregiment, sowie √ľber die Schnelle Eingreiftruppe FAR (Fuerza de Acci√≥n Rapid√°), die sich aus je einer Luftlande-, luftbeweglichen und Gebirgsj√§gerbrigade, einem gepanzerten Aufkl√§rungsregiment sowie der urspr√ľnglich nach dem Vorbild der franz√∂sischen Fremdenlegion aufgebauten ¬ĽSpanischen Legion¬ę zusammensetzt. F√ľr die Mobilisierungskr√§fte sind im Bedarfsfall zwei Infanterie-, eine Gebirgsj√§ger- sowie eine Panzeraufkl√§rungsbrigade vorgesehen. Jeweils ein Artillerie-, Pionier-, Fernmelde-, Hubschrauber- sowie Logistikkommando bilden die Unterst√ľtzungskr√§fte. Die Territorialkr√§fte sind in den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla (rd. 10 000 Mann) sowie auf den Balearen (rd. 2 500 Mann) und den Kanarischen Inseln (rd. 6 500 Mann) stationiert. Die Luftwaffe verf√ľgt √ľber etwa 29 000, die Marine √ľber rd. 35 000 Mann (einschlie√ülich 6 200 Marineinfanteristen). - Die Ausr√ľstung besteht im Wesentlichen aus etwa 750 Kampfpanzern (v. a. AMX-30, M-48, M-60), rd. 200 Kampfflugzeugen (v. a. F-18, Mirage F1 C), einem Flugzeugtr√§ger, 21 Fregatten, 25 Kleinen Kampfschiffen √ľber 100 ts sowie acht U-Booten.
 
Spanien ist seit 1982 Mitglied der NATO (1986-96 Austritt aus der milit√§rischen Struktur) und seit 1988 (faktisch seit 1990) Mitglied der WEU. Bis 2003 soll die Wehrpflichtarmee durch ein Berufsheer von etwa 175 000 Mann abgel√∂st werden. Gleichzeitig wird die Ausr√ľstung reduziert und umfassend modernisiert; so sollen u. a. etwa 300 Kampfpanzer Leopard 2 (dann insgesamt rd. 650 Kampfpanzer), etwa 450 Sch√ľtzenpanzer, 87 Eurofighter 2000 und vier Fregatten (dann insgesamt 16 Fregatten) veraltete Typen ersetzen sowie neue Artillerie-, K√ľstenschutz-, Luftabwehr-, Luft√ľberwachungs- und F√ľhrungssysteme eingef√ľhrt werden.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Das Gebiet des festl√§ndischen Spanien (492 463 km2) nimmt √ľber vier F√ľnftel der Iberischen Halbinsel ein und ist daher in geologischer Aufbau, Oberfl√§chengestalt und Klima - bis auf den portugiesischen Westteil - mit dieser identisch. Spanien (660 m mittlere H√∂he √ľber dem Meeresspiegel) ist nach der Schweiz (1 300 m mittlere H√∂he) das gebirgigste Land Europas. Seine durch √ľberwiegend weitfl√§chige Gro√ükammerung gekennzeichneten Naturr√§ume stehen in enger Beziehung zu den historischen Landschaften. Das Kernland Kastilien nimmt etwa zwei Drittel der Gesamtfl√§che ein und erstreckt sich √ľber weite, von randschwellenartigen Gebirgsz√ľgen umgebene, d√ľnn besiedelte, nach Westen zu schwach geneigte Hochfl√§chen (Mesetas), die durch das Kastilische Scheidegebirge in die kleinere Nord-Meseta mit Altkastilien und Le√≥n und in die gr√∂√üere S√ľd-Meseta mit Neukastilien und der Extremadura geteilt werden. Die Nord-Meseta (800-850 m mittlere H√∂he √ľber dem Meeresspiegel) wird vom Flusssystem des Duero, die S√ľd-Meseta (500-700 m mittlere H√∂he, im S√ľdwesten 300-150 m) von den Flusssystemen des Tajo und des Guadiana entw√§ssert. Randlandschaften sind demgegen√ľber das Galicische Bergland (Galicien) im Nordwesten, Asturien und das Baskenland (mit Anteilen am Kantabrischen Gebirge) im Norden, das Ebrobecken mit Navarra, La Rioja und Aragonien sowie das ans Mittelmeer grenzende Katalonien (mit dem Katalonischen Randgebirge) im Nordosten, ferner das vom Guadalquivir entw√§sserte Andalusien (mit dem gebirgigen Hochandalusien und Niederandalusien im Guadalquivirbecken) im S√ľden, sodann die K√ľstenlandschaften Valencia und Murcia, die im Osten und S√ľdosten an das Mittelmeer grenzen. Den √§u√üersten Rand bilden die beiden h√∂chsten Gebirge, die Pyren√§en im Nordosten und die Betischen Kordilleren (mit der Sierra Nevada) im S√ľden. Die K√ľstenl√§nge (ohne Inseln) betr√§gt 3 144 km, davon 1 663 km am Mittelmeer; die Atlantikk√ľste im Norden und Nordwesten hat Riask√ľsten mit guten Naturh√§fen, die K√ľstenstreifen am Mittelmeer und die Atlantikk√ľste im S√ľdwesten sind Anschwemmungsk√ľsten mit bogenf√∂rmigen weitgespannten K√ľstenh√∂fen zwischen steilen, felsigen Vorgebirgen und wenig gesch√ľtzten H√§fen.
 
 
Nur der schmale Nordsaum, vom Galicischen Bergland im √§u√üersten Nordwesten √ľber die Kantabrischen und Asturischen K√ľstengebirge bis zum Ostende der Pyren√§en, hat immerfeuchtes, gem√§√üigtes Klima, ist ganzj√§hrig (trotz eines geringen sommerlichen Niederschlagsminimums) ohne Wasserdefizit und hat daher auch keine mediterranen Vegetationsformationen. Der weitaus √ľberwiegende Teil des Landes ist dagegen gepr√§gt vom subtropisch-mediterranen Klima mit langer sommerlicher D√ľrre, hohen Temperaturen, starker Sonneneinstrahlung, hoher Verdunstung sowie Niederschlagsmaxima gr√∂√ütenteils im Sp√§therbst und Fr√ľhjahr bei insgesamt stark schwankender Niederschlagsperiodizit√§t. Die Mesetahochfl√§chen weisen dabei kontinentale Z√ľge auf (Temperaturen im Sommer bis √ľber 40 ¬ļC, im Winter bis ‚ÄĒ8 ¬ļC), ihre weiten Tafel- und Beckenlandschaften erhalten Jahresniederschl√§ge von 300-500 mm, nur die Hochlagen der zentralen Gebirge bis zu 2 000 mm. Ein k√ľstenparalleler Streifen im S√ľdosten (zwischen Almer√≠a und Alicante) hat bei Jahresniederschl√§gen von 110-290 mm Halbw√ľstencharakter.
 
 
Wegen der gro√üen H√∂henunterschiede zwischen K√ľstenebenen und Hochgebirgen ist die Vegetation entsprechend abgestuft: √úber der f√ľr niedrigere Lagen typische √Ėlbaum- und Macchien- (oder Garrigue-)Stufe mit immergr√ľnen Eichen (Kork-, Steineichen) folgt inselhaft eine Stufe mit Nadel- (Kiefern) oder Laubwald (Buchen); die Hochzonen haben karge Grasfluren und Zwergwacholderbest√§nde. Intensiver Anbau von Kulturpflanzen erfordert im gesamten sommertrockenen Spanien Bew√§sserung.
 
 
Von den gro√üen Str√∂men flie√üen nur Ebro und Guadalquivir gem√§√ü der Oberfl√§chenneigung ihrer Becken auf ganzer L√§nge in Spanien; im Einzugsbereich des Mesetablocks m√ľnden wegen dessen leichter Westabdachung Mi√Īo, Duero und Tajo auf portugiesisches Territorium, der Guadiana ist Grenzfluss; die Hauptwasserscheide verl√§uft hier weit im Osten in Nord-S√ľd-Ausrichtung, daher sind die ostw√§rts flie√üenden Fl√ľsse Turia, J√ļcar und Segura wesentlich k√ľrzer. Die jahreszeitlich stark schwankende Wasserf√ľhrung mit fr√ľher veheerenden Schmelzhochw√§ssern im Fr√ľhjahr ist durch Staustufen weitgehend ausgeglichen worden.
 
 
Die ethnische Herkunft der Bev√∂lkerung ist vielf√§ltig; deutliche stammesm√§√üige Unterschiede bestehen zwischen Kastiliern, Asturiern, Aragoniern und Andalusiern (mit st√§rkerem afrikanisch-orientalischen Einschlag). Basken (mit eigener vorindogermanischer Sprache), Katalanen (mit eigener romanischer Schrift- und Literatursprache) und in geringerem Ma√ü auch die den Portugiesen nahe stehenden Galicier (mit eigenem romanischen Idiom) nehmen in Volkskultur und Sprache eine Sonderstellung ein. Die Amtssprache Spanisch beruht auf der kastilischen Mundart (castellano); Katalanisch, Baskisch und Galicisch sind seit der Nach-Franco-Zeit als regionale ¬ĽNationalsprachen¬ę anerkannt und werden in den jeweiligen Gebieten als Pflichtsprachen unterrichtet. Die regionale Verteilung der Bev√∂lkerung ist √§u√üerst ungleichm√§√üig; w√§hrend weite Gebiete des Landesinnern nur geringe Bev√∂lkerungsdichte (10-25 Einwohner/ km2) aufweisen, haben st√§dtische Ballungsr√§ume, Talzonen und K√ľstenebenen zum Teil sehr hohe Dichtewerte. Am dichtesten besiedelt sind die Hauptstadtregion, die Provinz Barcelona und die baskischen Provinzen Vizcaya und Guip√ļzcoa, die geringsten Dichtewerte haben die Regionen Kastilien-La Mancha, Aragonien und Extremadura. Die starke Landflucht der 1960er- und 70er-Jahre hat sich in den 80er-Jahren leicht abgeschw√§cht; 1995 lebten 76,5 % der Gesamtbev√∂lkerung in Orten √ľber 10 000 Einwohner (1970 erst 66 %) und nur noch 23,5 % in Landgemeinden. Die Gesamtbev√∂lkerung hatte 1990-98 eine durchschnittliche j√§hrliche Wachstumsrate von 0,2 %; die Geburtenziffer sank von 1970 (19,5 Geborene auf 1 000 Einwohner) bis 1998 (9,2 Geborene auf 1 000 Einwohner) deutlich ab, ebenso die S√§uglingssterblichkeit (von 26,5 auf 5,7 Gestorbene im 1. Lebensjahr je 1 000 lebend Geborene). Durch (illegale) Einwanderer aus Nordafrika (v. a. Marokko) und S√ľdamerika (v. a. Ekuador) d√ľrfte die Geburtenziffer wieder ansteigen. 2000 waren 15,3 % der Einwohner unter 15 Jahre (1970: 27,8 %) und 16,6 % 65 Jahre und √§lter (1970: 9,7 % √ľber 65 Jahre).
 
Die in der Vergangenheit starke Auswanderung nach √úbersee ist sehr zur√ľckgegangen und wird durch R√ľckwanderung mehr als ausgeglichen (1993: 2 300 Auswanderer, 17 700 Einwanderer). Gro√ü ist nach wie vor die Zahl der Erwerbspersonen, die zeitweilig im europ√§ischen Ausland, besonders in der Schweiz, in Deutschland (rd. 160 000) und Frankreich besch√§ftigt sind.
 
Die Sozialstruktur war seit der Reconquista gekennzeichnet durch den Gegensatz von besitzender Oberschicht (Adel, Milit√§r, Kirche) und verarmten Kleinbauern, P√§chtern und Tagel√∂hnern und ist es zum Teil noch. Rd. drei F√ľnftel aller landwirtschaftlichen Betriebe sind kleiner als 5 ha; in Mittel- und S√ľdspanien herrscht Gro√ügrundbesitz vor (Latifundien). Ein ausgleichender Mittelstand entwickelt sich erst langsam.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Die Verfassung garantiert die rechtliche Gleichstellung der Religionsgemeinschaften und schlie√üt eine Staatsreligion aus. Grundlage der Beziehungen zwischen dem Staat und der katholischen Kirche als der gr√∂√üten Religionsgemeinschaft bilden vier 1979 zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl abgeschlossene Abkommen; diese l√∂sten das Konkordat von 1953 ab, das der katholischen Kirche die Rolle der Staatskirche einr√§umte. An die Stelle des vom Staat gezahlten Finanzausgleichs f√ľr den Unterhalt der Geistlichen ist 1988 die Eigenfinanzierung der Kirche durch steuerlich beg√ľnstigte Spenden in H√∂he von 5,239 ‚Äį der Lohn- oder Einkommensteuer getreten. - Rd. 91 % der Bev√∂lkerung geh√∂ren (bezogen auf die Taufe) der katholischen Kirche an; die Zahl der praktizierenden Katholiken wird kirchlicherseits mit etwa 30 % angegeben. Die Zahl der aktiven (¬Ľeingeschriebenen¬ę) Mitglieder protestantischer Kirchen (¬ĽSpanische Evangelische Kirche¬ę, ¬ĽSpanische Reformierte Bisch√∂fliche Kirche¬ę, Adventisten, Baptisten) betr√§gt rd. 40 000; die Gesamtzahl der Protestanten wird auf 250 000-350 000 (√ľberwiegend Pfingstler [¬ĽIglesia de Filadelfia¬ę]) gesch√§tzt. - Die Zahl der Muslime (Arbeitsmigranten aus Nordafrika) wird auf 100 000-300 000 gesch√§tzt. Die j√ľdische Gemeinschaft (als Religionsgemeinschaft seit 1868 wieder offiziell anerkannt) z√§hlt rd. 15 000 Mitglieder - Weitere Religionsgemeinschaften sind die Zeugen Jehovas (√ľber 80 000) und die Mormonen (rd. 12 000).
 
 
Es besteht allgemeine Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht f√ľr Kinder zwischen dem 6. und 16. Lebensjahr (sechs Jahre Grund-, vier Jahre Sekundarstufe). Die Analphabetenquote betr√§gt 2,8 %. Etwa knapp ein Drittel der Sch√ľler besucht private, schulgeldpflichtige (50 % kirchliche) Lehreinrichtungen, die zus√§tzlich staatlich subventioniert werden. Der Staat besitzt daher eine gewisse Schulaufsicht √ľber Privatschulen. Auf die Sekundarschule bauen die Berufsschule und die vereinheitlichte Oberschule auf, wobei Letztere nach zwei Jahren zum Abitur (¬ĽBachillerato¬ę) und damit zur Hochschulreife f√ľhrt. Eine ein- bis zweij√§hrige berufsbildende h√∂here Stufe berechtigt ebenfalls zum Studium. Der Aufnahme an einer Universit√§t geht eine Aufnahmepr√ľfung voran. Es gibt 36 Universit√§ten, davon 30 staatliche (u. a. acht technische Universit√§ten). Die Universit√§t in Salamanca (gegr√ľndet 1218), Valladolid (gegr√ľndet 1346) und Barcelona (gegr√ľndet 1450) z√§hlen zu den √§ltesten in Europa. Gr√∂√üte spanische Universit√§t ist die hauptst√§dtische ¬ĽUniversidad Complutense de Madrid¬ę. Weitere Hochschuleinrichtungen: mittlere und h√∂here Technikerschulen (Ingenieurschulen), Handelsschulen, Schulen f√ľr Sozialwesen, Kunst und Musik, (Primarschul-)Lehrerbildungsanstalten.
 
 
Presse: Seit 1978 ist die Pressefreiheit verfassungsrechtlich garantiert. Es erscheinen 87 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 3,9 Mio. Exemplaren. Gr√∂√üte und angesehenste Tageszeitung ist ¬ĽEl Pa√≠s¬ę, Madrid (Prisa-Konzern, Auflage 460 000; dem PSOE nahe stehend). Weitere wichtige Zeitungen sind: ¬ĽABC¬ę, Madrid (Prensa Espa√Īola, 295 000; monarchisch-konservativ), ¬ĽEl Mundo¬ę, Madrid (konservativ, PP-nah, 284 000), ¬ĽLa Vanguardia¬ę, Barcelona (unabh√§ngig-liberal, 210 000), ¬ĽEl Peri√≥dico de Catalunya¬ę, Barcelona (liberal, 207 000, Ausgaben in Spanisch und Katalanisch), ¬ĽEl Correo¬ę, Bilbao (b√ľrgerlich, 133 000) sowie die Wirtschaftszeitungen ¬ĽExpansi√≥n¬ę und ¬ĽCinco D√≠as¬ę. Einzige Boulevardzeitung Spaniens ist das Sportblatt ¬ĽMarca¬ę (417 000). Seit 2000 erscheinen die Gratiszeitungen ¬ĽMadrid y Mas¬ę und ¬ĽBarcelona y Mas¬ę (2001 vom norwegischen Schibsted-Konzern √ľbernommen). Die gr√∂√üten spanischen Medienkonzerne sind das 2001 mit der baskischen Mediengruppe Grupo Correo fusionierte Medienunternehmen Prensa Espa√Īola (18 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 860 000 Exemplaren), ferner Prisa, Recoletos, Telef√≥nica, Zeta, God√≥ (Katalonien), und Voz (Galicien). - Nachrichtenagenturen: ¬ĽAgencia EFE¬ę (gegr√ľndet 1939, staatlich kontrolliert), ¬ĽColpisa¬ę (gegr√ľndet 1972), ¬ĽEuropa Press¬ę, ¬ĽIberia Press¬ę, ¬ĽMencheta¬ę sowie die Fernsehnachrichtenagentur ¬ĽATLAS¬ę (Tele 5). - Rundfunk: Die staatliche ¬ĽRadiotelevisi√≥n Espa√Īola¬ę (RTVE) beaufsichtigt und koordiniert alle H√∂rfunk- und Fernsehstationen. Die staatliche H√∂rfunkgesellschaft ¬ĽRadio Nacional de Espa√Īa¬ę (RNE) verbreitet √ľber 17 Regionalstationen f√ľnf Programme sowie √ľber die Station ¬ĽRadio Exterior de Espa√Īa¬ę (REE) Programme f√ľr das Ausland in zehn Sprachen. Daneben existieren regionale √∂ffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaften, die eigene H√∂rfunk- und Fernsehprogramme in Galicien (TVG), Katalonien (TV 3), im Baskenland (ETB 1 und ETB 2), in Andalusien (Canal Sur), in Valencia (Canal 9), auf den Kanarischen Inseln (TV Canaria) und in Madrid (TVM) verbreiten. Eine weitere wichtige Radiogesellschaft ist die 1924 gegr√ľndete ¬ĽSociedad Espa√Īola de Radiodifusi√≥n¬ę (SER) mit 235 Regionalstationen. Dar√ľber hinaus gibt es mehr als 30 gr√∂√üere private H√∂rfunkanstalten (Senderketten), u. a. ¬ĽCadena Ser¬ę, ¬ĽCope¬ę, ¬ĽOnda Cero¬ę, ¬ĽRadio Voz¬ę, sowie eine Vielzahl kleinerer Regionalsender. Fast alle Privatsender geh√∂ren der ¬ĽAsociaci√≥n Espa√Īola de Radiodifusi√≥n Comercial¬ę (AEC) an. Das staatliche Fernsehen ¬ĽTelevisi√≥n Espa√Īola¬ę strahlt zwei Programme (TVE 1 und ¬ĽLa 2¬ę) sowie das Auslandsprogramm ¬ĽCanal Internacional¬ę aus. Mit der Lizenzierung dreier privater Anbieter (¬ĽAntena 3¬ę, ¬ĽTele 5¬ę und der Pay-TV-Sender ¬ĽCanal plus¬ę) wurde 1988 das staatliche Monopol aufgehoben. 1997 starteten zwei konkurrierende digitale Satellitenplattformen: die von der ehemals staatlichen Telefongesellschaft Telef√≥nica getragene ¬ĽVia Digital¬ę mit 80 verschl√ľsselten TV- und 30 H√∂rfunkprogrammen sowie ¬ĽCanal Sat√©lite Digital¬ę als Gemeinschaftsunternehmen von Canal plus und der Prisa-Gruppe mit 60 verschl√ľsselten und 40 unverschl√ľsselten TV- und 40 H√∂rfunkprogrammen. Im Fr√ľhjahr 2000 ging mit ¬ĽQuiero TV¬ę (Retevisi√≥n) au√üerdem terrestrisches digitales Fernsehen (14 verschl√ľsselte Spartenkan√§le und f√ľnf Musikkan√§le) an den Start. Ab Mitte 2001 gibt es mit ¬ĽNet TV¬ę und ¬ĽVeo Televisi√≥n¬ę ferner zwei unverschl√ľsselte digitale Kan√§le, die in Konkurrenz zu den ebenfalls unverschl√ľsselt ausgestrahlten analogen Sendern ¬ĽTVE 1¬ę, ¬ĽLa 2¬ę, ¬ĽAntena 3¬ę und ¬ĽTele 5¬ę treten, wobei Letztere ab 2002 ebenfalls auf digitale √úbertragungstechnik umstellen m√ľssen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Innerhalb der EU zählt Spanien zur Gruppe der weniger reichen Länder. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner von (1998) 16 390 US-$ rangiert das Land zwar deutlich vor Portugal (11 810 US-$) und Griechenland (12 260 US-$), erreicht aber dennoch weniger als die Hälfte des deutschen Niveaus (31 290 US-$). Allerdings konnte seit 1960 das Pro-Kopf-Einkommen von 25 % auf (1990) 66 % des Durchschnitts in den OECD-Staaten angehoben werden (zum Vergleich Griechenland: von 28 % auf 47 %).
 
Von diesen Indikatoren her beurteilt, kann Spanien als junges Industrieland bezeichnet werden. Dies zeigt sich auch an der Erwerbs- und Produktionsstruktur und deren Ver√§nderungen zwischen 1970 und 1998. Der Anteil von Land-, Forstwirtschaft und Fischerei an der Entstehung des BIP ging von 11,3 % auf 3,2 % zur√ľck. Gleichzeitig fiel die Quote des industriellen Sektors von 39,9 % auf 33,6 %, w√§hrend der Anteil des Dienstleistungssektors von 51,2 % auf 63,2 % anstieg. Dabei √§nderte sich der Anteil der Erwerbst√§tigen im Agrarbereich von 26,9 % zu (1998) 7,9 %, im produzierenden Gewerbe von 35,6 % zu 30,4 % und im Dienstleistungssektor von 37,5 % zu 61,7 %.
 
Anfang der 1980er-Jahre lag die Inflationsrate bei √ľber 10 %; sie konnte bis 1999 auf 2,3 % reduziert werden (EU-Durchschnitt 2,3 %). Die Arbeitslosenquote, die 1980 bei 11,5 % gelegen hatte, erh√∂hte sich bis 1995 auf 22,7 % und sank 2000 auf 14,2 % (EU-Durchschnitt 10 %). Die j√§hrliche Wachstumsrate des realen BIP stieg in den achtziger Jahren von (1980) 1,3 % auf (1987) 5,6 %, ist danach aber wieder r√ľckl√§ufig (1999: 4,0 %).
 
 
Bis 1960 war Spanien vorwiegend ein Agrarland. Seitdem befindet sich der Agrarsektor in einem Strukturwandel, der durch den EG-Beitritt noch beschleunigt wurde. Im Agrarsektor erwirtschaften (1998) 7,9 % der Erwerbstätigen (1980: 19,3 %) 3,2 % (1998) des BIP (1980: 7,1 %). Rd. 51 % der Gesamtfläche (25,7 Mio. ha) werden (1998) als landwirtschaftlich genutzte Fläche ausgewiesen; davon sind 12,7 Mio. ha Ackerland, 4,1 Mio. ha Dauerkulturen (darunter 0,9 Mio. ha. Rebland), 10,5 Mio. ha Wiesen und Weiden.
 
Von der landwirtschaftlich nutzbaren Fl√§che liegt ein erheblicher Teil brach. Die Anbaumethoden sind vielfach veraltet, die Bodenqualit√§t ist zum Teil unzureichend. Neben dem Trockenfeldbau (v. a. Getreide und H√ľlsenfr√ľchte), in dessen Bereich aber auch trockenheitsresistente Dauerkulturen wie √Ėlb√§ume, Mandel-, Feigenb√§ume und Reben vorkommen, gewinnt der Bew√§sserungsfeldbau zunehmend an Bedeutung. Auf bew√§ssertem Land (1998: 3,6 Mio. ha) sind mehrere Ernten im Jahr m√∂glich, etwa in den Huertas von Valencia und Murcia. Ausgesprochene Bew√§sserungskulturen sind Zitrusfr√ľchte (v. a. in der Region Valencia), Obst, Tabak und Zuckerr√ľben. In der s√ľdspanischen Provinz Almer√≠a entstand das gr√∂√üte Gem√ľseanbaugebiet Spaniens mit Unterplastikkulturen. Die wichtigsten, f√ľr den Export bestimmten Agrarerzeugnisse sind (1998) Zitrusfr√ľchte (5,6 Mio. t, weltweit 4. Rang), Oliven√∂l (1999: 650 000 t, weltweit 1. Rang), Wein und Sherry (spanische Weine). Andere Haupterzeugnisse sind Getreide (u. a. 7,4 Mio. t Gerste, 5,1 Mio. t Weizen, 801 000 t Reis), Kartoffeln (3,3 Mio. t), Zuckerr√ľben (1,1 Mio. t) und Gem√ľse (12,1 Mio. t).
 
In den vergangenen Jahren konnte der Viehbestand erhöht und damit die Fleisch- und Milchproduktion erheblich gesteigert werden. Gehalten werden (1994) 5,0 Mio. Rinder (1980: 4,6 Mio.), 18,2 Mio. Schweine (10,4 Mio.), 23,8 Mio. Schafe (14,7 Mio.) und 2,7 Mio. Ziegen (2,1 Mio.). Schwerpunkte der Rinderhaltung bilden Galicien, Asturien und das Baskenland. Eine Besonderheit ist die Zucht von Kampfstieren.
 
 
Die ausgewiesene Waldfl√§che liegt bei (1998) 15,9 Mio. ha (31,4 % der Gesamtfl√§che). Geschlossene Waldgebiete finden sich nur noch im Norden und Nordwesten des Landes, wo ausreichende Niederschl√§ge fallen. Sonst √ľberwiegen Buschwald und Macchie. Raubbau und Brandrodungen haben gro√üe Teile der einst ausgedehnten Waldfl√§che im Landesinneren vernichtet. Der Holzeinschlag von (1997) 12,4 Mio. m3 reicht f√ľr den heimischen Bedarf bei weitem nicht aus. Deshalb werden u. a. vermehrt schnell wachsende Eukalyptus- und Pappelarten f√ľr den Bedarf der Papierindustrie angepflanzt. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist auch die Korkeiche.
 
 
Die traditionelle Bedeutung der Fischerei ist seit Beginn der 1980er-Jahre durch Beschr√§nkungen der Fangrechte, zun√§chst durch Marokko, sp√§ter durch die EG, zur√ľckgegangen. Trotzdem ist Spanien innerhalb der EU mit (1998) 1 113 Schiffen (Tonnage 375 000 BRZ) f√ľhrend. Mit einer Fangmenge von (1997) 1,3 Mio. t liegt Spanien hinter D√§nemark unter den EU-Staaten an 2. Stelle (davon 323 000 t Krusten- und Weichtiere). Die wichtigsten Fischereih√§fen (z. B. Vigo, La Coru√Īa) liegen an der galicischen K√ľste. Hier werden auch Muscheln und Austern gez√ľchtet.
 
 
Die Vorkommen nutzbarer Bodensch√§tze beschr√§nken sich im Wesentlichen auf die Randlandschaften, v. a. Galicien, Asturien und Baskenland, ferner auf den Bereich der Sierra Morena, der Betischen Kordilleren, des Iberischen Randgebirges und des Ebrobeckens (Erd√∂l). Die wichtigsten Bergbauprodukte sind (1996) Quecksilber in Almad√©n (1 024 t; 35 % der Weltproduktion), (1996) Pyrit (1,0 Mio. t), Steinkohle (13,7 Mio. t), Eisenerz (1,3 Mio. t), Zink (260 000 t), Blei (23 000 t), Kupfer (38 000 t), Uran, Stein- und Meersalz. Hauptf√∂rdergebiet f√ľr Erd√∂l und Erdgas ist seit Anfang der 1970er-Jahre der Offshorebereich vor der Nordostk√ľste (F√∂rdermengen 1996: 516 000 t Erd√∂l; 1,4 Mrd. m3 Erdgas). Erd√∂lvorkommen sind auch im Schelfgebiet des Golfs von Biskaya entdeckt worden.
 
 
Diese ist weitgehend auf den Import von Erd√∂l, Erdgas und auch von Kohle angewiesen; etwa ein Drittel der Prim√§renergie wird selbst erzeugt. √úber die H√§lfte des Prim√§renergiebedarfs wird (1997) durch Erd√∂l gedeckt (55,4 %), 17,4 % durch Kohle, 13,9 % durch Kernenergie, 10,7 % durch Erdgas und 2,6 % durch sonstige Energietr√§ger. Die installierte Leistung der Kraftwerke betr√§gt (1998) 50 800 MW. Elektrizit√§t wird √ľberwiegend in W√§rmekraftwerken, zu 29,3 % in Kernkraftwerken und zu 19,2 % in Wasserkraftwerken erzeugt. Gute Ergebnisse wurden in S√ľdspanien mit Solar- und Windkraftwerken erzielt.
 
 
Im industriellen Sektor (einschlie√ülich Bergbau, Energie- und Bauwirtschaft) erwirtschaften (1998) 30,4 % der Erwerbst√§tigen 33,6 % des BIP. Traditionelle Industriezentren sind die Hauptstadtregion, Katalonien, das Baskenland sowie der Nordwesten (besonders Asturien). Die Investitionen der Industrie haben sich u. a. auch mit Unterst√ľtzung der EG in den letzten Jahren v. a. an die Mittelmeerk√ľste verlagert, z. B. in die Regionen von Barcelona, Valencia, Tarragona und Cartagena. Weitere bevorzugte Standorte liegen um C√°diz, Huelva und Sevilla. Sehr hoch ist der Anteil der √∂ffentlichen Unternehmen und der Unternehmen mit staatlicher Beteiligung (Dachgesellschaft Instituto Nacional de Industria) z. B. in der Energiewirtschaft, der Werft-, Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie. Privatisierungen sind vorgesehen.
 
Eisen- und Stahlindustrie, der Bau von Schiffen, Maschinen, Apparaten und Elektroger√§ten sowie die Herstellung von Eisenwaren sind zu einem erheblichen Teil im Baskenland konzentriert (z. B. Bilbao, Santander), daneben auch in Barcelona, Valencia, Cartagena, Schiffbau auch in C√°diz und Sevilla, Metallverarbeitung in Madrid. Bedeutend ist auch die Aluminiumindustrie in Bilbao, Avil√©s und La Coru√Īa, obwohl Bauxitvorkommen fehlen. In der Automobilindustrie (Standorte Barcelona, C√°diz, Linares, Madrid, Pamplona, Saragossa, Valencia, Valladolid, Vigo, Vitoria) sind die spanischen Renaultwerke und SEAT die gr√∂√üten Hersteller und zugleich zwei der gr√∂√üten Unternehmen des Landes. Mehr als drei Viertel der Produktion werden im Ausland verkauft. Die Textilindustrie hat ihren Hauptstandort in Katalonien. Von gro√üer Bedeutung ist auch die fast √ľberall verbreitete Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Stark ausgedehnt hat sich die chemische und pharmazeutische Industrie, die au√üer im Baskenland ihre zur Zeit gr√∂√üten Zentren in Huelva, Tarragona, Barcelona und Valencia hat. Die spanischen Erd√∂lraffinerien (z. B. in La Coru√Īa, Bilbao, Huelva, Algeciras, Cartagena und Tarragona) haben eine j√§hrliche Durchsatzkapazit√§t von 50 Mio. t. Spanien ist einer der gr√∂√üten Zementexporteure der Erde (Zementfabriken v. a. im Baskenland, in Sevilla und Granada). Dar√ľber hinaus spielen Zellstoff- und Papiererzeugung, Gummi-, Kork-, Leder- und Schuhindustrie noch eine wichtige Rolle.
 
 
Der Tourismus hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Insgesamt stehen in den (1999) 16 229 Hotels und √§hnlichen Betrieben rd. 1,3 Mio. Betten zur Verf√ľgung. 1998 wurden 70,8 Mio. Auslandsg√§ste (einschlie√ülich Tagesg√§ste) gez√§hlt (1980: 38,0 Mio.; 1965: 14,3 Mio.). Von den √ľbernachtenden Auslandsg√§sten (1998: 47,7 Mio.) kamen 24,3 % aus Deutschland. Die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr betragen (1997) 26,7 Mrd. US-$ (entspricht 5,0 % des BIP). Damit z√§hlt Spanien zu den Hauptziell√§ndern des internationalen Reiseverkehrs. Tourismuszentren sind die Balearen, die Kanarischen Inseln, die K√ľstenstreifen am Mittelmeer (Costa Blanca, Costa Brava, Costa del Azahar, Costa del Sol, Costa Dorada) und am Atlantischen Ozean (Biskaya, Costa de la Luz) sowie die kulturell und historisch interessanten St√§dte wie Madrid, Barcelona, Sevilla, Granada, C√≥rdoba. Besonders die K√ľstenregionen mussten in den vergangenen Jahren Besucherr√ľckg√§nge hinnehmen
 
 
Seit dem EG-Beitritt zum 1. 1. 1986 hat sich das Au√üenhandelsvolumen von 62,1 Mrd. US-$ auf (1999) 255,0 Mrd. US-$ erh√∂ht. Allerdings haben die Importe (1999: 144,9 Mrd. US-$) weitaus st√§rker zugenommen als die Exporte (110,1 Mrd. US-$), sodass sich das traditionelle Handelsbilanzdefizit auf 34,8 Mrd. US-$ erh√∂hte (1970: 2,3 Mrd. US-$). Trotz der Einnahmen aus dem Tourismus (21,5 Mrd. US-$) und den √úberweisungen spanischer Arbeitnehmer im Ausland (1992: 2,2 Mrd. US-$) weist die Leistungsbilanz ein Defizit von 5,2 Mrd. US-$ aus. Zu den wichtigsten Exportg√ľtergruppen z√§hlen Konsumg√ľter (40,9 %) wie Autos und Nahrungsmittel, Zwischeng√ľter (45,1 %) wie Eisen und Stahl, Nichtedelmetalle und Kapitalg√ľter (14,0 %) wie Maschinen. Als Handelspartner dominieren die L√§nder der EU; auf sie entfallen (1999) 71,6 % des gesamten Warenverkehrs. Die wichtigsten Lieferl√§nder sind Frankreich (17,7 %), Deutschland (15,1 %), Italien (9,2 %) sowie USA und Kanada (5,8 %), die wichtigsten Abnehmerl√§nder Frankreich (19,2 %), Deutschland (13,1 %), Gro√übritannien (7,6 %) und Italien (8,7 %).
 
Verkehr:
 
Bis auf wenige Ausnahmen entspricht die Verkehrsinfrastruktur des Landes nicht den Anforderungen. Das Eisenbahnnetz ist weit gekn√ľpft; die Spurweite ist breiter als die internationale Spurweite. Binnenwasserwege fehlen weitgehend, das Stra√üennetz ist nur unzureichend ausgebaut.
 
Der Eisenbahnverkehr wird von der staatlichen Gesellschaft ¬ĽRed Nacional de los Ferrocarriles Espa√Īoles¬ę (Abk√ľrzung RENFE) und verschiedene Privatgesellschaften (Streckenl√§nge circa 2 000 km) betrieben. Von den (1995) 12 280 km der RENFE-Strecken sind 56 % elektrifiziert. Zwischen Madrid und Sevilla haben 1992 Hochgeschwindigkeitsz√ľge (Trenes de Alta Velocidad) den Verkehr auf internationaler Spurweite aufgenommen. Gem√§√ü dem Plan f√ľr den Ausbau des Eisenbahnverkehrs sollten bis zum Jahr 2000 alle wichtigen St√§dte an das Hochgeschwindigkeitsnetz (Alta Velocidad Espa√Īola, AVE) angeschlossen sein. Dieses Ziel wurde bisher nir f√ľr einige St√§dte Andalusiens (Cadiz, Huelva, Malaga, Alegeciras) erreicht, die durch TALGO-Schnellz√ľge mit der AVE-Strecke Madrid-Sevilla verbunden sind. 1998 wurde das Hochgeschwindigkeitsprojekt Madrid-Saragossa-Barcelona in Angriff genommen.
 
Das Stra√üennetz umfasst (1999) 171 836 km Stra√üen, davon 8 067 km Autobahnen. Autobahnen gibt es haupts√§chlich im Norden, entlang der Mittelmeeerk√ľste und im Einzugsbereich von Madrid. 1991 wurde ein Vertrag zum Bau eines 8,6 km langen Tunnels durch die Pyren√§en nach Frankreich unterzeichnet (Somport). Der Durchstrich erfolgte 1997, der Er√∂ffnung ist f√ľr 2001 vorgesehen. Mit einer PKW-Dichte von (1999) 423 PKW je 1 000 Einwohner liegt Spanien unter dem EG-Durchschnitt (Deutschland 1998: 509). Insgesamt sind 16,8 Mio. PKW, 3,6 Mio. LKW und 54 000 Omnibusse zugelassen.
 
Im Gegensatz zur fast fehlenden Binnenschifffahrt (nur der Guadalquivir ist ab C√≥rdoba schiffbar) spielt die K√ľsten- und Hochseeschifffahrt eine wichtige Rolle. Am G√ľterumschlag gemessen, sind Algeciras, Barcelona, Bilbao, Tarragona, La Coru√Īa, Valencia, Huelva, Gij√≥n, Cartagena und Santa Cruz de Tenerife die gr√∂√üten H√§fen. Der G√ľterumschlag aller H√§fen erreicht (1999) ein Volumen von 321,1 Mio. t; davon 241,2 Mio. t im Auslandsverkehr (100,5 Mio. t Fracht verladen, 220,6 Mio. t gel√∂scht). Die spanische Handelsflotte umfasst (1998) 219 Schiffe mit einer Tonnage von 1,4 Mio. BRZ.
 
Die Entwicklung des Luftverkehrs wurde erheblich durch den Tourismus beg√ľnstigt. Wichtigste nationale Luftverkehrsgesellschaft ist die staatliche Iberia. Sie bedient alle wichtigen interkontinentalen und die europ√§ischen Verbindungen. Ihre Tochtergesellschaft AVIACO (Aviaci√≥n y Comercio SA) wickelt vorwiegend den inl√§ndischen Luftverkehr ab. F√ľr den zivilen Luftverkehr sind mehr als 40 Flugpl√§tze ge√∂ffnet. Die wichtigsten internationalen Flugh√§fen sind Madrid (¬ĽBarajas¬ę), dessen Ausbau 1999 abgeschlossen wurde, Barcelona, Bilbao und Palma de Mallorca; ferner Las Palmas de Gran Canaria, Santa Cruz de Tenerife, M√°laga und Alicante.
 
 Geschichte:
 
Zu Vorgeschichte, Altertum, westgotischer und arabischer Zeit Iberische Halbinsel.
 
 Das Zeitalter der Reconquista
 
Die Entstehung der christlichen Staaten (718/722 bis 1035):
 
Schon kurz nach der Eroberung des Westgotenreiches durch die Araber (711) bildeten sich im Norden aus zun√§chst kleinen Zentren des Widerstands neue christliche Staaten. Im Nordwesten fl√ľchtete eine kleine Schar westgotischer Adliger in das Kantabrische Gebirge und behauptete unter Pelayo in der Schlacht bei Covadonga (718/722) die Selbstst√§ndigkeit (Gr√ľndung des K√∂nigreichs Asturien). Alfons I. (739-757) und v. a. Alfons III. (866-910) erweiterten das Reich, das schlie√ülich den ganzen Nordwesten Spaniens bis zum Duero umfasste. Hauptstadt war seit 810 Oviedo. In entv√∂lkerten Zonen wurden Bauern angesiedelt (Repoblaci√≥n, ¬ĽWiederbesiedlung¬ę), die durch Kastelle gesch√ľtzt wurden. Nach solchen Kastellen wurde die Grafschaft Kastilien benannt. Nachfolgestaat Asturiens wurde - nach einer kurzen Periode der Teilung in die Einzelreiche Galicien, Asturien, Le√≥n nach dem Tod Alfons' III. - das K√∂nigreich Le√≥n 4) mit der gleichnamigen Hauptstadt, dessen K√∂nige gelegentlich den Kaisertitel annahmen. Im Osten gewann Kastilien im 10. Jahrhundert zunehmend an Gewicht und l√∂ste sich unter Ferdinand (Fern√°n) Gonz√°les (923-970) von Le√≥n. Im Gegensatz zu Asturien und Le√≥n standen die christlichen Staaten des Pyren√§enraums unter starkem fr√§nkischen Einfluss und damit in sehr viel engerer Verbindung zum √ľbrigen Europa. Das galt v. a. f√ľr die Grafschaft Barcelona, die als Teil der seit 785 von Karl dem Gro√üen geschaffenen (erst sp√§ter so genannten) Spanischen Mark des Fr√§nkischen Reiches im Lauf der n√§chsten hundert Jahre zu bestimmendem Einfluss in Katalonien aufstieg. Auch Navarra, das von der Maurenherrschaft frei geblieben war, gelangte erst unter dem Einfluss franz√∂sischer Ritter, Pilger und H√§ndler im 10. Jahrhundert zu einer bedeutenden Staatsbildung: Sancho III., der Gro√üe (um 1000-1035), beherrschte Navarra mit Pamplona, dazu die Grafschaft Aragonien, Asturien und Teile Le√≥ns sowie Kastilien. Die hier aufscheinende M√∂glichkeit einer staatlichen Einigung des gesamten christlichen Spanien wurde jedoch nicht verwirklicht.
 
Die Herausbildung der Machtzentren Kastilien und Aragonien (1035-1252):
 
Navarra zerfiel nach dem Tod Sanchos III. in die K√∂nigreiche Navarra, Kastilien und Aragonien. Es spielte von da an nur noch eine untergeordnete Rolle in der spanischen Politik. Kastilien wurde nach Erbteilungen, Bruderkriegen und Heiraten 1230 endg√ľltig mit Le√≥n vereint und bildete fortan das Doppelk√∂nigreich Kastilien-Le√≥n; Portugal hatte sich bereits ein Jahrhundert fr√ľher von Kastilien gel√∂st (Portugal, Geschichte). Seit Ferdinand I. (1035-65) nahmen die kastilischen K√∂nige mehrfach den Kaisertitel an, um ihren F√ľhrungsanspruch gegen√ľber den anderen christlichen Reichen zu dokumentieren. Im Osten wurden Aragonien und Katalonien 1137 durch Heirat zu einem Doppelstaat vereint (¬ĽKrone von Arag√≥n¬ę).
 
Nach dem Zerfall des Kalifats von C√≥rdoba in Einzelreiche (¬ĽTaifas¬ę, 1031) begann die entscheidende Phase der Reconquista, bei der die geistlichen Ritterorden (v. a. Calatrava, Alc√°ntara) seit dem 12. Jahrhundert eine besondere Rolle spielten. 1085 wurde das maurische Teilreich Toledo (sp√§ter Neukastilien) von Alfons VI. von Kastilien und Le√≥n (1072-1109) erobert, was die Besiedlung des praktisch entv√∂lkerten Zentralspanien erlaubte. Im Osten gelang Alfons I. von Aragonien (1104-34) 1118 mit der Eroberung Saragossas der entscheidende Durchbruch, wodurch das von den Mauren dicht besiedelte Ebrobecken an die Krone Arag√≥n fiel. Der Widerstand der Mauren wurde 1212 in der Schlacht von Las Navas de Tolosa endg√ľltig gebrochen. Im S√ľden fiel 1236 C√≥rdoba, 1246 Ja√©n, 1248 Sevilla; im Osten wurden 1229-35 die Balearen erobert, 1238 folgte Valencia. Nur das maurische K√∂nigreich Granada konnte sich halten, wurde aber lehnsabh√§ngig von Kastilien-Le√≥n.
 
Die Entstehung des spanischen Nationalstaats (1252 bis 1479):
 
In Kastilien wurde das in der Reconquista gewonnene Land unter die Adligen verteilt, die dadurch zu m√§chtigen Gro√ügrundbesitzern wurden. Es entwickelte sich eine Schafhaltung gro√üen Stils, in der Folge wichtigste wirtschaftliche Grundlage des Adels und der St√§dte (Webereien). Der Anspruch der K√∂nige auf zentrale Gewalt f√ľhrte zu einem Machtkampf mit dem Adel, der die Geschichte Kastiliens bis ins 15. Jahrhundert bestimmte, wobei den Cortes eine entscheidende Rolle zufiel. Aragonien-Katalonien wurde durch die Eroberung der Balearen, Siziliens (1282), Sardiniens (1326) und des K√∂nigreichs Neapel (1443) zur Vormacht im westlichen Mittelmeer. Wirtschaftliche Grundlage war der Handel, dessen Zentrum sich im 15. Jahrhundert von Barcelona nach Valencia verlagerte. Erbfolgekriege und Wirren schw√§chten das f√∂deralistisch regierte Reich (eigene Verfassungs- und Sozialordnungen in Aragonien, Katalonien, Valencia) im 15. Jahrhundert.
 
1468 stand die kastilische Thronerbin Isabella I. vor der Wahl, den portugiesischen K√∂nig oder den Thronerben Aragoniens zu heiraten. Sie entschied sich f√ľr den Aragonesen Ferdinand II., den sie 1469 heiratete. 1474/75 wurden sie als K√∂nige Kastiliens, 1479 als K√∂nige Aragoniens anerkannt. Das Paar vereinigte nun die beiden Reiche in Matrimonialunion, und die Iberische Halbinsel hatte damit weitgehend die politische Gestalt erhalten, die bis heute g√ľltig ist.
 
Trotz des fortdauernden Kriegszustands zwischen Christen und Mauren hatten in den zur√ľckliegenden Jahrhunderten zahlreiche wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen beiden Gruppen bestanden. Viele Christen (¬Ľmoz√°rabes¬ę) lebten in den maurischen, viele Mauren (¬Ľmud√©jares¬ę) in den r√ľckeroberten christlichen Gebieten. Hinzu kam in ganz Spanien eine sehr aktive j√ľdische Minderheit, die sich nach ihrem Namen f√ľr Spanien (¬ĽSefarad¬ę) Sephardim nannte. Trotz immer wieder auftretender religi√∂ser Spannungen war die Kultur dieser Epoche bis ins 14. Jahrhundert - nach zunehmender Versch√§rfung antij√ľd. Stimmungen v. a. aus religi√∂sen und wirtschaftlichen Gr√ľnden kam es 1391 zur ersten gro√üen antisemitischen Verfolgungswelle mit Pogromen und Zwangskonversionen - gepr√§gt durch die Symbiose (¬Ľconvivencia¬ę) christlicher, islamischer und j√ľdischer Elemente, die Spanien dem √ľbrigen Europa vermittelte.
 
 Spanien als Weltmacht (1479-1598)
 
Die Katholischen Könige (1479-1516):
 
Das Herrscherpaar (ab 1496 f√ľhrte es den vom Papst verliehenen Ehrentitel ¬ĽKatholische K√∂nige¬ę, den Titel ¬ĽK√∂nige von Spanien¬ę lehnte es ab) sah sich innenpolitisch schwierigen Problemen gegen√ľber. Die tats√§chliche Vereinigung der beiden Reichsteile, deren Institutionen und Verwaltungen getrennt blieben, vollzog sich nur allm√§hlich; aragonesische Sonderrechte schr√§nkten zudem die k√∂nigliche Macht ein (in Aragonien regierte Ferdinand allein, in Kastilien beide Herrscher gemeinsam); die Opposition des Adels konnte nur langsam gebrochen werden, u. a. durch die Wahl Ferdinands zum Gro√ümeister der geistlichen Ritterorden. Gegen√ľber der Kirche erlangte das Herrscherpaar 1482 das Recht, die spanischen Bischofsst√ľhle zu besetzen. Schon 1478 hatte Papst Sixtus IV. Ferdinand und Isabella das Privileg verliehen, Inquisitoren zu ernennen; 1480 begann das erste Inquisitionsgericht in Sevilla zu arbeiten, 1483 wurde der (staatliche) Inquisitionsrat geschaffen. Die K√∂nige nahmen den Krieg gegen die Mauren wieder auf, eroberten 1492 Granada, das letzte maurische Reich auf spanischem Boden. Nach einer zweiten antisemitischen Verfolgungswelle wurden 1492 (k√∂nigliches Edikt vom 31. 3.), v. a. aus religi√∂sen Gr√ľnden, die nicht getauften Juden des Landes verwiesen. Die Mauren genossen zun√§chst noch Toleranz; der Unterschied der Religion f√ľhrte aber zusammen mit starker wirtschaftlicher Benachteiligung zu st√§ndigen Spannungen, die sich in Aufst√§nden entluden und 1609 zur Ausweisung f√ľhrten (Morisken).
 
1492 entdeckte C. Kolumbus in spanischem Dienst Amerika, weitere Entdeckungsfahrten folgten. In einer Reihe von Vertr√§gen (Alc√°√ßovas bei √Čvora 1479, Tordesillas 1494, Saragossa 1529) grenzten Spanien und Portugal ihre gegenseitigen Einflusssph√§ren ab. Das Zusammentreffen entscheidender Ereignisse in einem Jahr lie√ü sp√§teren Generationen 1492 als ¬Ľannus mirificus¬ę (¬Ľwunderbares Jahr¬ę) erscheinen: Geburtsjahr der Weltmacht Spanien.
 
Auch in Europa wurde der Herrschaftsbereich ausgedehnt: 1504 holte Ferdinand das einer Nebenlinie zugefallene K√∂nigreich Neapel zur√ľck, 1512 eroberte er das s√ľdliche Navarra, das er 1515 annektierte. In dieser Zeit setzte sich f√ľr das Reich allm√§hlich der Name Spanien durch. Nach Isabellas Tod (1504) ging das kastilische Erbe an die Erbtochter der Katholischen K√∂nige, Johanna (sp√§ter die Wahnsinnige genannt), die seit 1496 mit dem Sohn Kaiser Maximilians I., Philipp I., dem Sch√∂nen, von Burgund verm√§hlt war. Nach dessen Tod (1506) und der daraus folgenden geistigen Verwirrung Johannas √ľbernahm Ferdinand die Regentschaft in Kastilien.
 
Der Höhepunkt der Macht (1516-98):
 
Das gesamte spanische und burgundisch-habsburgische Erbe fiel nach dem Tod Ferdinands (1516) beziehungsweise Maximilians (1519) an den Sohn Johannas und Philipps, Karl (als Karl I. ¬ĽK√∂nig von Spanien¬ę, der Titel wurde wohl schon in den ersten Jahren seiner Regierungszeit eingef√ľhrt, daneben bestanden die Titel ¬ĽK√∂nig von Kastilien¬ę und ¬ĽK√∂nig von Aragonien¬ę zun√§chst noch weiter fort), 1519 wurde er (als Karl V.) zum Kaiser gew√§hlt. 1521 √ľberlie√ü er seinem Bruder Ferdinand die √∂sterreichischen Erblande. Karl traf auf den Widerstand des Adels und besonders der St√§dte; im Aufstand der Comuneros unter J. de Padilla kam es zu einer schweren Krise (1520-22). Nach der Niederschlagung des Aufstands hatte sich die zentrale Macht der Krone, die Karl zielstrebig durch die Einrichtung zentraler Institutionen (R√§te) ausbaute, endg√ľltig durchgesetzt. Die st√§ndischen Gewalten wurden zur√ľckgedr√§ngt, die Cortes verloren ihren Einfluss, der Adel suchte im Dienst des Hofes und im Heer zu Ansehen und Verm√∂gen zu gelangen. Karls Au√üenpolitik wurde in Europa durch den Gegensatz zu Frankreich bestimmt, der sich an gemeinsamen Interessen in Italien entz√ľndete. Der Sieg √ľber den franz√∂sischen K√∂nig Franz I. bei Pavia (1525) machte Spanien zur europ√§ischen Hegemonialmacht und brachte ganz Italien unter spanisch-habsburgischem Einfluss; die Pl√ľnderung Roms mit besonders intensiver Beteiligung spanischer Truppen (Sacco di Roma, 1527) lie√ü diese zum Schrecken Europas werden. In Nordafrika versuchte Karl die antiislamische Politik seiner Vorfahren fortzusetzen. 1535 eroberte er Tunis, scheiterte aber 1541 vor Algier. Da sich die nordafrikanischen Herrscher unter die Lehnshoheit des osmanischen Sultans stellten, geriet Spanien in unmittelbare Konfrontation zum Osmanischen Reich. In Amerika fielen in die Regierungszeit Karls die gro√üen Eroberungen der indianischen Reiche. 1521 nahm F. de Magalh√£es die 1543 nach dem Thronerben Philipp benannten Philippinen in Besitz. Die Mission der neu erworbenen Gebiete stand unter k√∂niglichem Patronat.
 
Der riesige Zustrom von G√ľtern und Edelmetallen aus den Kolonien beg√ľnstigte aber nur den Handel, dessen Bilanz trotzdem meist negativ blieb und der zu einer √úberflutung Spaniens mit ausl√§ndischen Gewerbeerzeugnissen und zum Abfluss des Geldes ins Ausland f√ľhrte. Die Staatsfinanzen und das Preisgef√ľge gerieten ins Wanken. Infolge der einseitigen F√∂rderung und der Zunahme der Schafzucht verschlechterte sich auch die Lage der Landwirtschaft und der Bauern.
 
Unter Karls Sohn Philipp II. (1556-98) stieg Spanien zur Vormacht des Katholizismus auf. Im Zeichen der Gegenreformation wurden die katholische Fr√∂mmigkeit (Theresia von √Āvila) und die scholastische Philosophie (u. a. an den Universit√§ten Salamanca und Alcal√°) erneuert. Die Verteidigung des verstreuten L√§nderbesitzes (au√üer Spanien und seinen ausgedehnten Kolonien auch Neapel-Sizilien, Mailand, Niederlande, Franche-Comt√©) verwickelte Philipp in viele kostspielige Kriege. Die Auseinandersetzungen mit Frankreich fanden 1559 im Frieden von Cateau-Cambr√©sis einen vorl√§ufigen Abschluss. Dagegen vernichtete der Tod der englischen K√∂nigin Maria I. (Gemahlin Philipps II.) die Aussicht, der Gegenreformation in England zum Sieg zu verhelfen und damit Frankreich von allen Seiten zu umklammern. In den Niederlanden geriet der K√∂nig in einen immer st√§rkere Kr√§fte verzehrenden Kampf gegen die Aufst√§ndischen, die sich f√ľr ihren protestantischen Glauben und ihre st√§ndischen Freiheiten gegen den spanischen Absolutismus einsetzten. Die H√§rte des Herzogs von Alba sch√ľrte den Aufstand. 1581 sagten sich die seit 1579 zusammengeschlossenen sieben n√∂rdlichen Provinzen in aller Form von Spanien los (Niederlande, Geschichte). Die s√ľdlichen Provinzen - das sp√§tere Belgien - blieben, von Alessandro Farnese wieder unterworfen, in spanische Hand. Da England die Niederlande unterst√ľtzte, kam es 1585 zum Krieg; 1588 erlitt die spanische Armada eine schwere Niederlage, ihre Reste wurden durch St√ľrme vernichtet, womit den Engl√§ndern der Weg √ľber den Atlantik zu Vorst√∂√üen gegen spanische St√ľtzpunkte und Silberflotten erleichtert war. Frankreich, durch innere K√§mpfe geschw√§cht, erholte sich unter Heinrich IV. (1589-1610), dem Philipp beim Streit um den Thron vergeblich entgegengewirkt hatte: 1598 musste er mit ihm den Frieden von Vervins abschlie√üen. Trotz des Aufsehen erregenden Sieges √ľber die Osmanen bei Lepanto (1571) konnte Spanien den von ihm beherrschten westlichen Teil des Mittelmeerraumes nicht mehr behaupten. 1580 erreichte Spanien durch seine Vereinigung mit Portugal und dessen Kolonialbesitz die gr√∂√üte Ausdehnung seines Territoriums. Im Innern des Reiches baute Philipp die Beh√∂rdenorganisation stark aus, √ľbertrug die Verwaltung juristisch ausgebildeten Beamten b√ľrgerlicher Herkunft und f√ľhrte ein strenges Justizregiment. Dem Absolutismus diente die Aufhebung eines Teiles der alten Sonderrechte Aragoniens (1592). Aber die vielen Kriege hatten die Kr√§fte Spaniens ersch√∂pft; Wirtschaft und Finanzen waren zerr√ľttet; die Ertr√§ge aus den amerikanischen Silberminen konnten das Anwachsen der Staatsschulden nicht verhindern. Die aufstrebenden protestantischen Seem√§chte Westeuropas - die Niederlande und England - bedrohten das spanische Kolonialreich, w√§hrend Frankreich sich anschickte, das Erbe Spaniens als Vormacht Europas anzutreten.
 
 Der Niedergang (1598-1808)
 
Die letzten Habsburger (1598-1700):
 
Der schwache Philipp III. (1598-1621), unter dem die spanische Literatur und Kunst jedoch mit dem ¬ĽSiglo de Oro¬ę (¬Ľgoldenes Zeitalter¬ę) ihre h√∂chste Bl√ľte erlebten, √ľberlie√ü die Regierung seinem G√ľnstling, dem Herzog von Lerma, der eine Friedenspolitik betrieb (1604 Frieden mit England, 1609 Waffenstillstand mit den Niederlanden). Die Ausweisung der Morisken wurde seit 1609 weitgehend durchgesetzt. Auch unter Philipp IV. (1621-65) wurde die Politik von einem G√ľnstling des K√∂nigs bestimmt. G. de Guzm√°n, Graf von Olivares, wollte Spaniens Macht wiederherstellen, √ľbersch√§tzte aber die Kr√§fte des Landes. Die Verschuldung f√ľhrte 1627 zum Staatsbankrott, der Steuerdruck 1640 zu inneren Unruhen in Katalonien und Portugal, das sich die Unabh√§ngigkeit wiedererk√§mpfte (1668 von Spanien anerkannt). 1621 nahm Spanien den Krieg gegen die Niederlande wieder auf und griff gleichzeitig aufseiten √Ėsterreichs in den Drei√üigj√§hrigen Krieg ein. Dadurch geriet das Land in offenen Konflikt mit Frankreich, mit dem es bis zum Ende des Jahrhunderts eine Reihe von verlustreichen Kriegen f√ľhrte. Im Haager Frieden (15. 5. 1648 musste Spanien die Unabh√§ngigkeit der n√∂rdlichen Niederlande anerkennen. Der Pyren√§enfrieden (1659) mit Frankreich besiegelte die franz√∂sische Vormachtstellung in Europa. Karl II. (1665-1700) √ľberlie√ü die spanische Politik vollends seinen G√ľnstlingen.
 
Die ersten Bourbonen:
 
Um das Erbe des kinderlos gestorbenen Karl II., des letzten spanischen Habsburgers, entspann sich der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1713/14) zwischen den √∂sterreichischen Habsburgern und Frankreich. Der Bourbone Philipp von Anjou, Enkel Ludwigs XIV., wurde im Frieden von Utrecht (1713) als Philipp V. von Spanien anerkannt, musste aber die europ√§ischen Besitzungen au√üerhalb Spaniens abtreten; Menorca und Gibraltar kamen an Gro√übritannien. Philipp st√§rkte die spanische Monarchie auf Kosten der regionalen Sonderrechte. So wurden die Cortes in Aragonien 1707 und in Kastilien 1713 zum letzten Mal einberufen. Seine zweite Frau, Elisabeth Farnese, bestimmte das au√üenpolitische Engagement in Italien, das ihren S√∂hnen das K√∂nigreich Neapel-Sizilien und das Herzogtum Parma-Piacenza als spanische Sekundogenituren sicherte. Unter Ferdinand VI. (1746-59) und v. a. Karl III. (1759-88) sezte sich die innen- und au√üenpolitische Stabilisierung Spaniens fort. Sie regierten im Sinne eines aufgekl√§rten Absolutismus; Karl st√§rkte die zentrale Verwaltung und leitete mit seinen Ministern (Graf von Aranda u. a.) zahlreiche Reformen ein. Der Einfluss der Kirche wurde zur√ľckgedr√§ngt, 1767 wurden die Jesuiten ausgewiesen. - Im √Ąu√üeren kehrte Karl zu einer expansiven Politik zur√ľck. Im Bourbon. Familienpakt (1761) verb√ľndete er sich mit Frankreich, an dessen Seite Spanien 1761-63 im Siebenj√§hrigen Krieg und 1779-83 im Unabh√§ngigkeitskrieg der USA gegen Gro√übritannien k√§mpfte. Im Frieden von Paris (1763) verlor Spanien zwar Florida, erhielt aber das westliche Louisiana; im Frieden von Versailles (1783) erhielt es Florida und Menorca von Gro√übritannien zur√ľck. In Nordafrika f√ľhrte Karl eine erfolgreiche Handelspolitik und schloss Friedens- und Handelsvertr√§ge mit Marokko (1767, 1780), Algier (1785), dem Osmanischen Reich (1782) und Tripolis (1784).
 
Die Regierungszeit Karls IV. (1788-1808) machte die Leistungen seiner Vorg√§nger zunichte. Karls G√ľnstling M. de Godoy betrieb eine widerspr√ľchliche B√ľndnispolitik; zun√§chst den Gegnern, dann den Verb√ľndeten Frankreichs zugeh√∂rig, wurde Spanien in die Napoleonischen Kriege gegen Gro√übritannien verwickelt, dessen Sieg bei Trafalgar (1805) den Weg in die spanischen Kolonien √∂ffnete. Der Aufstand von Aranjuez (M√§rz 1808) gegen die Willk√ľrherrschaft Godoys gab Napoleon I. Gelegenheit, in die spanische Innenpolitik einzugreifen: Er zwang Karl und dessen Sohn Ferdinand (VII.) zum Verzicht auf die spanische Krone und ernannte am 6. 6. 1808 seinen Bruder Joseph Bonaparte zum K√∂nig. Franz√∂sische Truppen hatten Spanien zu diesem Zeitpunkt besetzt.
 
 Spanien im 19. Jahrhundert (1808-1902)
 
Der Unabhängigkeitskrieg und die Reaktion unter Ferdinand VII. (1808-33):
 
Der nationale Widerstand gegen Napoleon, der von lokalen Juntas organisiert wurde, begann schon am 2. 5. 1808 mit dem Aufstand von Madrid. Der √úberlegenheit des franz√∂sischen Heeres setzten die Spanier die neue Taktik des Kleinkriegs (Guerilla) entgegen. Nach kompliziertem Kriegsverlauf wurden 1813 mit Unterst√ľtzung britischer Truppen unter Sir Arthur Wellesley, dem sp√§teren Herzog von Wellington, die als Besatzer empfundenen Franzosen vertrieben. Bereits 1810 waren die Cortes in C√°diz zusammengetreten; sie erlie√üen in den folgenden Jahren mehrere liberale Dekrete (u. a. die Verfassung von 1812).
 
Nach dem Ende des Krieges gingen die Cortes nach Madrid zur√ľck. Im M√§rz 1814 kehrte Ferdinand VII. (1814-33) aus Frankreich zur√ľck. Er hob die Verfassung von 1812 wieder auf. Unter dem Einfluss der Geistlichkeit wandte er sich auch von den Reformen Karls III. ab; M√∂nchsorden, Inquisition und Folter wurden wieder eingef√ľhrt. Der restaurative Druck wurde die Ursache einer liberalen Revolution, die am 1. 1. 1820 in C√°diz unter F√ľhrung von Oberst Rafael de Riego y N√ļ√Īez (* 1784, ‚úĚ 1823) ausbrach. Der K√∂nig beschwor darauf die Verfassung von 1812; Folter und Inquisition wurden abgeschafft, viele Kl√∂ster aufgehoben, zwei Drittel der Kircheng√ľter eingezogen. Aber die siegreichen Liberalen spalteten sich in die (gem√§√üigten) Moderados und die (radikalen) Exaltados. Dagegen erhielt Ferdinand Hilfe durch die Heilige Allianz: Auf dem Kongress von Verona (1822) beschloss sie die milit√§rische Intervention, deren Ausf√ľhrung Ludwig XVIII. von Frankreich √ľbertragen wurde. Vor einem franz√∂sischen Heer, dem sich eine gro√üe Zahl von spanischen Reaktion√§ren (¬ĽApostolische¬ę, ¬ĽServile¬ę) anschloss, fl√ľchtete die liberale Regierung nach C√°diz, wo sie sich im September 1823 ergab. Riego y N√ļ√Īez wurde hingerichtet. Damit war die absolute Monarchie wiederhergestellt.
 
Inzwischen hatten in den spanischen Kolonien des amerikanischen Festlandes bereits 1808 die Unabhängigkeitsbewegungen eingesetzt; seit 1814 versuchten aus Spanien eintreffende Truppen, sie niederzuschlagen, erst 1824 war ihr Sieg nach langen, wechselvollen Kämpfen entschieden. Dabei kam den neuen Staaten (Lateinamerika, Geschichte) der Ausbruch der liberalen Bewegung in Spanien zugute. Die Gefahr einer militärischen Intervention der Heiligen Allianz in den aufständischen Kolonien wurde durch den Schutz Großbritanniens und der USA abgewendet. Nachdem Spanien 1819 Florida an die USA verkauft hatte, blieben von dem riesigen amerikanischen Kolonialreich nur noch Kuba und Puerto Rico.
 
Auf die Nachfolge des lange Zeit kinderlosen Ferdinand VII. rechnete sein j√ľngerer Bruder Don Carlos, Exponent des klerikal, traditionalistisch und absolutistisch eingestellten B√ľrgertums, sp√§ter der Karlisten. 1830 gebar Ferdinands vierte Frau Maria Christina eine Tochter, Isabella. Ferdinand hob zu ihren Gunsten das salische Erbfolgerecht durch die Pragmatische Sanktion 3) auf.
 
Die Regierungszeit Isabellas II. (1833-68):
 
Als Ferdinand 1833 starb, √ľbernahm Maria Christina die Regentschaft f√ľr die unm√ľndige Isabella. Carlos lie√ü sich daraufhin zum Gegenk√∂nig (Karl V.) ausrufen. Ihm fielen v. a. die streng katholischen baskischen Provinzen zu, die sich neben Navarra ihre historischen Sonderrechte (Fueros) bewahrt hatten, ferner Aragonien, Katalonien und Valencia, die immer noch der kastilischen Zentralgewalt widerstrebten. Ein blutiger B√ľrgerkrieg zwischen den Karlisten und den Anh√§ngern der Regentin (Cristinos) spaltete 1833-39 das Land. 1834 kam eine Quadrupelallianz zwischen Frankreich, Gro√übritannien, Spanien und Portugal gegen die Anspr√ľche von Carlos zustande (Londoner Vertrag, 22. 4. 1834). B. Espartero rettete 1836/37 Madrid vor den anr√ľckenden Karlisten. Im Vertrag von Vergara (Provinz Guip√ļzcoa, 31. 8. 1839) unterwarfen sich die Basken. Carlos floh nach Frankreich, 1840 folgte ihm sein bester General, R. Cabrera y Gri√Īo. Die Unterst√ľtzung der Gem√§√üigten (Moderados, Cristinos) hatte die Regentin zum Zugest√§ndnis einer gem√§√üigten Verfassung (Estatuto real, 10. 4. 1834) veranlasst. Als durch einen Milit√§raufstand 1836 die Exaltados, die sich jetzt Progressisten nannten, an die Macht gelangten, wurde 1837 die Verfassung von 1812 wiederhergestellt. 1840 zwang Espartero als Haupt der Progressisten die Regentin zur Abdankung und machte sich 1841 selbst zum Regenten, wurde aber 1843 durch einen Staatsstreich der Moderados gest√ľrzt. Darauf erkl√§rten die Cortes die junge Isabella II. f√ľr m√ľndig.
 
Die Regierung Isabellas verlief in dauernder Unruhe. Die K√∂nigin wandte sich zunehmend der klerikal-absolutistischen Richtung zu; leitender Staatsmann wurde Marschall R. M. Narv√°ez als F√ľhrer der Moderados, die sich in immer st√§rkerem Gegensatz zu den Progressisten zu einer konservativen Partei entwickelten. Narv√°ez unterdr√ľckte die republikanische Bewegung vom 26. 3. 1848 in Madrid und den karlistischen Aufstand vonCabrera 1847-49 in Katalonien. Eine gewisse Beruhigung der kirchlichen Verh√§ltnisse brachte das Konkordat vom 16. 3. 1851. Aber am 27. 6. 1854 brach unter F√ľhrung von Leopoldo O'Donnell y Jorris (* 1809, ‚úĚ 1867) ein Aufstand (¬ĽPronunciamento¬ę) liberal gesinnter Milit√§rs aus, die nach heftigen Barrikadenk√§mpfen in Madrid siegten. Isabella II. berief Espartero zum Ministerpr√§sidenten, O'Donnell, der die Partei der Liberalen Union (Unionisten) gr√ľndete, die eine Zwischenposition zwischen Moderados und Progressisten bezog, wurde Kriegsminister. Der Verkauf zahlreicher Kirchen-, Gemeinde- und Staatsg√ľter st√§rkte den selbstst√§ndigen Bauernstand. Doch schon 1856 kehrte Narv√°ez an die Spitze der Regierung zur√ľck. O'Donnell, Ministerpr√§sident 1858-63, lenkte innenpolitisch ein und suchte durch au√üenpolitische Erfolge von dem st√§ndigen Parteihader abzulenken. 1859/60 f√ľhrte er einen Krieg gegen Marokko, an dessen K√ľste Spanien schon seit dem 15./16. Jahrhundert einige St√ľtzpunkte, die Presidios, besa√ü. Im Frieden von Tetu√°n (26. 4. 1860 erreichte er aber nur eine kleine Erweiterung des Gebiets um Ceuta. 1861 nahm Spanien an der franz√∂sischen Expedition gegen Mexiko teil, zog sich jedoch 1862 zur√ľck. Die ehemals spanische Osth√§lfte der westindischen Insel Hispaniola, die Dominikanische Republik, stand 1861-65 noch einmal unter spanischer Herrschaft. Ein neuer karlistischer Aufstandsversuch zugunsten von Carlos Luis de Borb√≥n y de Braganza, Graf von Montemol√≠n (Karl VI.), wurde 1860 unterdr√ľckt. 1864/65-1868 war Narv√°ez erneut Ministerpr√§sident Die inneren Gegens√§tze wuchsen immer st√§rker an. Die von General J. Prim y Prats gef√ľhrten Progressisten forderten die Abdankung der K√∂nigin. Mit ihnen verb√ľndeten sich die Unionisten, an deren Spitze nach O'Donnells Tod 1867 F. Serrano y Dom√≠nguez, Herzog de la Torre, trat. Schlie√ülich f√ľhrte die Milit√§rrevolution vom 18. 9. 1868, die Prim von London aus organisiert hatte, zum Sturz Isabellas. Der Aufstand nahm seinen Ausgang in C√°diz. Auf dem Marsch nach Madrid gelang Serrano am 28. 9. 1868 bei der Br√ľcke von Alcolea nahe C√≥rdoba sein entscheidender Sieg gegen die Regierungstruppen. Am 30. 9. floh die K√∂nigin nach Paris.
 
Die ¬Ľrevolution√§ren sechs Jahre¬ę (1868-74):
 
Die F√ľhrer der siegreichen (¬Ľglorreichen¬ę) Revolution, Serrano und Prim, erstrebten die Erneuerung der konstitutionellen Monarchie, die durch die Verfassung vom Juni 1869 garantiert war. Republikanische Aufst√§nde wurden niedergeschlagen. Zun√§chst wurde Serrano Regent, Prim Ministerpr√§sident und Kriegsminister. Die spanische Krone bot Prim dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen an. Da Frankreich diesen Plan heftig bek√§mpfte, verzichtete Leopold am 12. 7. 1870 auf die Kandidatur. Am 16. 11. 1870 w√§hlten die spanischen Cortes den savoyischen Prinzen Amadeus, Herzog von Aosta, zum K√∂nig, der am 2. 1. 1871 die Regierung antrat. Er vermochte sich im Land keine feste Position zu sichern, weil er von Republikanern und der Geistlichkeit bek√§mpft wurde und der Tod Prims ihn seiner St√ľtze beraubte. Republikanische Bewegungen, der 3. Karlistenkrieg (1872-76) und ein Aufstand in Kuba (1869) veranlassten Amadeus am 11. 2. 1873 zur Abdankung. Die Cortes erkl√§rten Spanien zur Republik. Doch auch die Republikaner, zu deren f√ľhrenden Politikern E. Castelar y Ripoll geh√∂rte, konnten keine geordneten Verh√§ltnisse wiederherstellen. Die Pr√§sidenten der Republik wechselten rasch. Sozialistische Massenaufst√§nde in zahlreichen St√§dten wurden niedergeschlagen. Unter den f√∂deralistischen Republikanern erstrebte eine radikale Gruppe die Verlegung der Regierungsgewalt in die Gemeinden. Sie unternahm besonders in Cartagena einen Aufstand, der erst nach mehreren Monaten niedergeworfen wurde (1873-74). Trotz diktatorischen Vollmachten scheiterte Castelar, und auch der Staatsstreich vom 3. 1. 1874, nach dem Serrano die Pr√§sidentschaft √ľbernahm und die Cortes aufl√∂ste, beruhigte das Land nicht. Wegen der Erfolge der Karlisten und der Misserfolge der republikanischen Regierungen gewannen die Alfonsinos, die Anh√§nger des jungen Bourbonenerben Alfons XII., zu dessen Gunsten seine Mutter Isabella II. 1870 offiziell abgedankt hatte, an Einfluss und Sympathie beim Volk. Ein neues Pronunciamiento unter F√ľhrung von General A. Mart√≠nez de Campos in Murviedro (heute Sagunto) am 29. 12. 1874 machte Alfons zum K√∂nig. Am 14. 1. 1875 zog er in Madrid ein.
 
Die Restauration (1875-1902):
 
Alfons XII. starb bereits 1885 im Alter von 28 Jahren. Seine zweite Frau, Maria Christina von √Ėsterreich, √ľbernahm f√ľr den nachgeborenen Sohn Alfons XIII., der sofort zum K√∂nig ausgerufen wurde, bis zu dessen M√ľndigkeitserkl√§rung (1902) die Regentschaft. Das politische System der Restauration war v. a. das Werk des Konservativen A. C√°novas del Castillo. Die von ihm inspirierte Verfassung von 1876 schuf ein Zweikammersystem nach englischem Vorbild; sie gew√§hrte Religions- und Pressefreiheit, beseitigte aber die Geschworenengerichte und die Zivilehe. Entscheidend f√ľr die politische Stabilit√§t war, ebenfalls nach englischem Vorbild, die Schaffung zweier gro√üer Parteien. Die folgenden Jahre wurden von den Konservativen unter C√°novas und den Liberalen unter P. M. Sagasta bestimmt, die sich in der Regierung abl√∂sten (¬Ľturnismo¬ę). Obwohl die Liberalen 1887 die Geschworenengerichte, 1889 die Zivilehe und 1893 das allgemeine Wahlrecht wieder einf√ľhrten, war der Unterschied zwischen beiden Parteien gering. Die eigentliche Opposition wurde an den Rand des politischen Systems gedr√§ngt: die Karlisten, die b√ľrgerlichen Republikaner, die sich sp√§ter in die Radikalen und die Radikalsozialisten spalteten, die Sozialisten (Parteigr√ľndung 1879) und die Anarchisten. So blieb die Demokratie mehr Fiktion als Realit√§t, was die Ursache neuer Unruhen wurde. Ein terroristischer Anarchismus, dem u. a. 1897 C√°novas zum Opfer fiel, breitete sich aus. Weiterer Z√ľndstoff sammelte sich in den Regionen: Die baskische Provinz und Navarra verloren ihre Sonderrechte, Katalonien forderte 1892 volle Verwaltungsautonomie und einen f√∂deralistischen Aufbau des spanischen Staates.
 
1895 brach auf Kuba ein Aufstand aus, 1896 auf den Philippinen. Der kubanische Aufstand f√ľhrte 1898 zum Spanisch-Amerikanischen Krieg. In der Folge verlor Spanien Kuba, Puerto Rico und die Philippinen. 1899 verkaufte es die Karolinen, die Marianen und die Palauinseln an das Deutsche Reich. Vom einstigen Weltreich blieben nur kleine Reste in Nord- und Westafrika.
 
Auf eine Phase wirtschaftlicher Prosperit√§t folgte am Ende des Jahrhunderts eine starke Depression, die die Wirkung der au√üenpolitischen Katastrophe von 1898 auf das politische Bewusstsein verst√§rkte. Der jetzt erst voll erkannte Niedergang Spaniens l√∂ste als Gegenreaktion eine Bewegung der geistigen Erneuerung aus, deren Wortf√ľhrer die Generation von 98 wurde.
 
 Spanien im 20. Jahrhundert
 
Die Restauration (1902-31):
 
W√§hrend der selbstst√§ndigen Regierung Alfons' XIII. (1902-31) zeigte das von C√°novas geschaffene politische System immer deutlicher Schw√§chen. Zwar wechselten sich Konservative und Liberale weiter in der Regierung ab; keine Partei konnte jedoch die Probleme des Landes l√∂sen. Die innenpolitischen Probleme wurden durch das Engagement in Marokko vergr√∂√üert, wo Spanien Ersatz f√ľr die verlorenen Kolonien suchte (1904 Abgrenzung der Einflusssph√§ren in Nordafrika zwischen Spanien und Frankreich). Der Widerstand der Marokkaner machte eine Reihe von Feldz√ľgen notwendig, die in Spanien √§u√üerst unpopul√§r waren. Der Protest artikulierte sich in Barcelona 1909 in einem Generalstreik, der blutig unterdr√ľckt wurde (Semana tr√°gica, ¬ĽTragische Woche¬ę, 26.-31. 7.). 1912 fiel der liberale Parteif√ľhrer J. Canalejas y M√©ndez einem Attentat zum Opfer.
 
Im Ersten Weltkrieg blieb Spanien neutral. In der innenpolitischen Diskussion neigten die Liberalen und Sozialisten mehr zur Entente, von der sie die Verteidigung und Fortentwicklung einer freiheitlichen Staatsverfassung erhofften; die Konservativen, v. a. im Milit√§r, im oberen Klerus und unter den Gro√ügrundbesitzern, erwarteten besonders von Deutschland eine St√§rkung der √ľberkommenen gesellschaftlichen Strukturen. Die antimonarch. Kr√§fte sahen in einem Sieg der Ententem√§chte eine g√ľnstige Voraussetzung f√ľr die Errichtung einer Republik, die separatistischen Kr√§fte, besonders in Katalonien, erblickten Chancen f√ľr eine gr√∂√üere Autonomie. Trotz gro√üer wirtschaftlicher Vorteile, die Handel und Industrie aus der neutralen Position Spaniens zogen, versch√§rften sich die sozialen Gegens√§tze und f√ľhrten √ľber Aktionen gesellschaftlich unzufriedener, in ¬ĽJuntas de Defensa¬ę zusammengeschlossener Offiziere (Juni 1917) sowie √ľber die Ausrufung eines Generalstreiks seitens der Arbeiterschaft (Juli 1917) zu einer Staatskrise. In Katalonien nahm der soziale Konflikt, verbunden mit Autonomieforderungen, zeitweise b√ľrgerkriegs√§hnliche Formen an. Die Reformbem√ľhungen des Jahres 1917 scheiterten jedoch, da sich die Reformkr√§fte unter den Offizieren, im B√ľrgertum und in der Arbeiterschaft in der Abschaffung des von einer Oligarchie bestimmten Scheinparlamentarismus zwar einig waren, der von der Arbeiterschaft getragene Gedanke der sozialen Revolution von den beiden anderen gesellschaftlichen Gruppierungen jedoch abgelehnt wurde. Die inneren Spannungen waren seit dem Ersten Weltkrieg begleitet von milit√§rischen R√ľckschl√§gen in Afrika: Unter F√ľhrung von Abd el-Krim brach 1920 in Spanisch-Marokko ein Aufstand der Rifkabylen aus, der die spanische Herrschaft dort infrage stellte.
 
Am 13. 9. 1923 brachte mit Duldung des K√∂nigs ein Milit√§rputsch M. Primo de Rivera y Orbaneja an die Macht: Er l√∂ste das - vor dem Hintergrund von Korruption - diskreditierte parlamentarische System durch eine pers√∂nliche Diktatur ab. Au√üenpolitisch konnte er - gemeinsam mit Frankreich - den Aufstand in Marokko niederwerfen. Nachdem er 1925 das Milit√§rkabinett durch eine Zivilregierung ersetzt hatte, suchte er mit einem Programm zur Verbesserung der Infrastruktur das Land zu modernisieren. Mit der Uni√≥n Patri√≥tica gr√ľndete er 1925 eine Partei, die die Regierung tragen sollte, die aber im Volk keinen R√ľckhalt fand. Auch die Intelligenz (M. de Unamuno y Jugo u. a.) blieb in der Opposition. 1928 brachen Unruhen aus, die zur Schlie√üung der Universit√§ten Madrid und Barcelona f√ľhrten. In Katalonien, das sich nach wie vor gegen den Zentralismus Madrids stellte, gewannen die Sozialisten und Anarchisten an Einfluss. Da Primo de Rivera die sozialen Unterschiede nicht zu mildern vermochte und besonders die Frage des Gro√ügrundbesitzes ungel√∂st lie√ü, zwang ihn der K√∂nig 1930 zum R√ľcktritt. Als auch sein Nachfolger, General D√°maso Berenguer (* 1873, ‚úĚ 1953), am 14. 2. 1931 abdanken musste, war das Schicksal der Monarchie besiegelt: Der Unwille richtete sich jetzt gegen den K√∂nig. Nachdem bei den Gemeindewahlen die Republikaner einen Erfolg errungen hatten, verlie√ü Alfons XIII. am 14. 4. das Land; am gleichen Tage wurde in Madrid die Republik ausgerufen.
 
Die Zweite Republik und der B√ľrgerkrieg (1931-39):
 
Am 14. 4. 1931 bildete N. Alcal√° Zamora y Torres eine provisorische Regierung aus Sozialisten und b√ľrgerlichen Republikanern. Grundprobleme der zweiten Republik waren die Stellung der katholischen Kirche im Staat, die Agrarreform, das Verh√§ltnis von Zentralmacht zu den Regionen sowie das von Milit√§r und Staat. Bereits wenige Wochen nach Ausrufung der Republik entluden sich starke antiklerikale Str√∂mungen in der Zerst√∂rung von Kl√∂stern und Kirchen. Mit einem Republikschutzgesetz (29. 10. 1931 suchte die Regierung, seit dem 14. 10. 1931 unter Ministerpr√§sident M. Aza√Īa y D√≠az, links- und rechtsradikalen Tendenzen entgegenzuwirken. Am 9. 12. 1931 verabschiedeten die am 28. 6. gew√§hlten Cortes (mit einer gro√üen sozialistisch-republikanischen Mehrheit) eine Verfassung (u. a. Garantie der Grundrechte und des Privateigentums, Trennung von Staat und Kirche); Staatspr√§sident wurde Alcal√° Zamora y Torres. 1932 verabschiedeten die Cortes ein Autonomiestatut f√ľr Katalonien und ein Agrargesetz (Enteignung des Gro√ügrundbesitzes und kirchlicher Liegenschaften); die Kirchenschulen wurden abgeschafft. Der Versuch von Aza√Īa y D√≠az, das Milit√§rwesen zu reformieren, l√∂ste in der Generalit√§t und im Offizierskorps republikfeindliche Tendenzen aus. Bei den Parlamentswahlen von 1933 siegten die st√§rker rechtsgerichteten Parteien. Die von ihnen gebildeten Regierungen machten viele Reformen r√ľckg√§ngig. Vor diesem Hintergrund kam es 1934 zu einem Aufstand der Bergarbeiter in Asturien und zur Proklamation der Unabh√§ngigkeit in Katalonien (Pr√§sident L. Companys); beide Aufst√§nde wurden von der Regierung unter Ministerpr√§sident Alejandro Lerroux y Garc√≠a (* 1866, ‚úĚ 1949; mit Unterbrechungen im Amt: 1933-35) niedergeschlagen; das Autonomiestatut f√ľr Katalonien wurde vor√ľbergehend (Dezember 1934 bis Februar 1936) au√üer Kraft gesetzt. Nach dem Sieg der Volksfront aus Republikanern, Sozialisten und Kommunisten bei den Wahlen vom Februar 1936 stellte diese in den folgenden Jahren die Regierung, zun√§chst unter Ministerpr√§sident republikanische Parteizugeh√∂rigkeit. Der Gegensatz zwischen konservativen und nationalistischen Kr√§ften auf der einen sowie republikanische, sozialistische und anarchistische Str√∂mungen auf der anderen Seite versch√§rfte sich st√§ndig. Die Ermordung des konservativen Cortes-Abgeordneten J. Calvo Sotelo l√∂ste den Spanischen B√ľrgerkrieg (1936-39) aus.
 
Der B√ľrgerkrieg begann am 17. 7. 1936 in Spanisch-Marokko mit einer Milit√§rrevolte, die wenig sp√§ter auf Spanien √ľbergriff. Nach dem R√ľcktritt der Regierung unter J. Giral y Pereira bildete der Sozialist F. Largo Caballero die Regierung; am 8. 10. 1936 erkannte diese die Autonomie des Baskenlandes an. Kurz vor Beginn des Angriffs der Aufst√§ndischen auf Madrid traten auch die Anarchisten der Regierung bei; diese verlegte im November 1936 ihren Sitz nach Valencia. Im Mai 1937 √ľbernahm der Sozialist J. Negr√≠n die F√ľhrung der Regierung. Durch vielf√§ltige Str√∂mungen politisch zerstritten, gelang es den republikanischen Regierungen nicht, die Ausbreitung des nationalspanischen Herrschaftsgebietes zu verhindern, zumal befreundete M√§chte, besonders die USA, Gro√übritannien und Frankreich, an der Politik der ¬ĽNichtintervention¬ę festhielten. Nur die UdSSR leistete milit√§rtechnische Hilfe. Ende Juli 1936 hatten die milit√§rischen F√ľhrer des Aufstandes in Burgos eine Juntaregierung gebildet, an deren Spitze am 1. 10. 1936 General F. Franco Bahamonde trat. Politisch st√ľtzte er sich auf die Falange. Am 18. 11. 1936 erkannten das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien, die von Beginn des B√ľrgerkriegs an die Aufst√§ndischen politisch und milit√§risch unterst√ľtzt hatten, die Aufstandsregierung an. Am 1. 2. 1938 bildete Franco die Junta zu einer Kabinetts-Regierung um. Mit der Eroberung Barcelonas (26. 1. 1939 l√∂ste sich das republikanische Regierungssystem auf. Noch vor dem siegreichen Einzug der nationalspanischen Truppen in Madrid (28. 3.) erkannten die britische und franz√∂sische Regierung am 27. 2. die Regierung Franco an, die USA folgten am 1. 4. 1939.
 
Das Francoregime und der Zweite Weltkrieg (1939-45):
 
Bereits am 27. 3. 1939 war Spanien dem Antikominternpakt beigetreten, am 8. 5. 1939 verlie√ü es den V√∂lkerbund. Trotz des von beiden Seiten ausge√ľbten Druckes blieb es aber im Zweiten Weltkrieg neutral. Verschiedene deutsch-spanische Besprechungen (v. a. die zwischen Hitler und Franco am 23. 10. 1940 in Hendaye) blieben ohne Ergebnis. Jedoch unterst√ľtzte Spanien Deutschland seit Juni 1941 mit der Entsendung der Blauen Division, die es auf alliierten Druck hin im Oktober 1943 zur√ľckziehen musste. Seit November 1943 k√§mpfte auf deutscher Seite die aus etwa 2 000 Freiwilligen bestehende ¬ĽSpanische Legion¬ę an der Ostfront. 1940 lie√ü die spanische Regierung die internationale Zone von Tanger besetzen. Je st√§rker sich der Krieg zugunsten der Anti-Hitler-Koalition entwickelte, desto mehr wandte sich Franco den westlichen Alliierten zu, verfolgte aber weiter offiziell einen Neutralit√§tskurs.
 
Innenpolitisch legte die Regierung Franco am 6. 12. 1940 durch das Syndikatsgesetz die Grundlage f√ľr eine auf st√§ndischer Basis organisierte Diktatur. Die Frage, ob Spanien im Rahmen einer Republik oder Monarchie regiert werden sollte, blieb lange Zeit in der Schwebe. Auf korporativer Grundlage fanden 1942 Wahlen zu den Cortes statt.
 
Das Francoregime 1945-75:
 
Nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition war Spanien politisch (Verurteilung durch die UNO 1946) und wirtschaftlich isoliert. Es war nicht an der Marshallplanhilfe beteiligt und nahm deshalb auch nicht an der Gr√ľndung der OEEC teil (1948). Im kolonialpolitischen Bereich musste sich Spanien mit der Wiederherstellung der internationalen Zone von Tanger (11. 10. 1945 abfinden. Auch kam es der Forderung der Siegerm√§chte nach Enteignung des deutschen Verm√∂gens in Spanien nach. Um die Verfemung seines diktatorischen Regierungssystems abzumildern, sicherte Franco den Spaniern mit dem ¬ĽFuero de los Espa√Īoles¬ę (Recht der Spanier) die staatsb√ľrgerlichen Grundrechte zu. Den Monarchisten, die nach Kriegsende die Wiedererrichtung der Monarchie gefordert hatten, kam er schrittweise entgegen: Am 20. 7. 1945 sagte er die Wiedereinf√ľhrung der Monarchie zu. In einem ¬ĽGesetz √ľber die Nachfolge in der Obersten Staatsf√ľhrung¬ę wurde die Regentschaft geregelt: Juan Carlos, Sohn des in Portugal lebenden Thronpr√§tendenten Juan von Bourbon und Battenberg (* 1913, ‚úĚ 1993), wurde seitdem auf die Nachfolge Francos vorbereitet.
 
Am 4. 11. 1950 zog die UNO ihre Erkl√§rung von 1946 zur√ľck. Dieser Schritt war besonders von den USA gef√∂rdert worden, da sie die Iberische Halbinsel im Zuge des Ost-West-Konfliktes in ihr europ√§isches Verteidigungskonzept einzuf√ľgen suchten. Aufgrund des Madrider Vertrags vom 26. 9. 1953 verpachtete Spanien Milit√§rst√ľtzpunkte an die USA. Die Afrikapolitik Spaniens war besonders von dem Wunsch bestimmt, das traditionell freundschaftliche Verh√§ltnis zu den islamischen L√§ndern zu f√∂rdern. Zwischen 1956 und 1975 verzichtete es auf seinen restlichen Kolonialbesitz in Nord- und Westafrika. Seit Ende der 50er-Jahre verst√§rkte es seine Anspr√ľche auf Gibraltar. In Europa aktivierte es neben den traditionell guten Beziehungen zu Portugal seine Kontakte zu Frankreich (u. a. Zusammenarbeit in milit√§rischen Fragen). 1960 trat Spanien der OECD bei.
 
In seiner wirtschaftlichen Entwicklung wurde Spanien durch gr√∂√üere Streikbewegungen v. a. in Katalonien (1951 und 1962), im Baskenland (1951) sowie in Asturien (1962 und 1963) vor√ľbergehend gehemmt. Spannungen verursachten auch die Autonomiebestrebungen besonders in Katalonien und im Baskenland. Die Regierung fand sich jedoch nicht zu wesentlichen Konzessionen bereit. In der katholischen Kirche wurde seit dem 1. 1. 1965 das Katalanische und das Baskische neben dem Spanischen zum kirchlichen Gebrauch anerkannt.
 
Mit Beginn der 60er-Jahre war Franco bem√ľht, durch Reformgesetze innerhalb der bisherigen Staatsordnung Liberalisierungstendenzen stattzugeben (u. a. 1964 ein Pressegesetz, 1967 ein Staatsorgangesetz mit verfassungs√§nderndem Charakter, 1967 ein Protestantenstatut) und zugleich die starken politischen Vorbehalte des Auslands gegen√ľber seiner Regierung abzubauen.
 
Am 22. 7. 1969 billigten die Cortes ein Gesetz, in dem Franco Prinz Juan Carlos als seinen Nachfolger einsetzte. Am 16. 7. 1971 ernannte Franco diesen zu seinem Stellvertreter. Auch ernannte er seit 1973 einen Ministerpräsident: L. Carrero Blanco (1973) und C. Arias Navarro (1973-76).
 
Das demokratische Spanien (seit 1976):
 
Nach dem Tode Francos (20. 11. 1975 wurde Juan Carlos am 22. 11. 1975 als Juan Carlos I. zum K√∂nig proklamiert und am 27. 11. 1975 inthronisiert. Gemeinsam mit dem von ihm im Juli 1976 ernannten Ministerpr√§sidenten A. Su√°rez Gonz√°lez leitete er den Aufbau einer parlamentarischen Demokratie ein (Reformgesetz von 1976). Nach Wiederzulassung der Parteien fanden am 15. 6. 1977 Parlamentswahlen statt, aus denen die Uni√≥n de Centro Democr√°tico (UCD) als st√§rkste Kraft hervorging, ihr F√ľhrer Su√°rez Gonz√°lez wurde als Ministerpr√§sident best√§tigt. Am 6. 12. 1978 nahm die Bev√∂lkerung in einer Volksabstimmung eine neue Verfassung an, die u. a. den Regionen Spaniens das Recht auf Autonomie zugesteht. Als erste erhielten Katalonien und das Baskenland 1979 wieder ein Autonomiestatut; die anderen Regionen folgten bis 1986.
 
Nach dem R√ľcktritt von Su√°rez Gonz√°lez im Januar 1981 unternahmen Angeh√∂rige des Milit√§rs und der Guardia Civil einen Putschversuch (Besetzung der Cortes am 23. 2. 1981). Dank der Initiative des K√∂nigs, der √ľber den Rundfunk zur Verfassungstreue aufrief, brach der Putsch bereits am 24. 2. zusammen. Am 25. 2. wurde der UCD-Kandidat L. Calvo Sotelo zum Ministerpr√§sidenten gew√§hlt. Als Ma√ünahme gegen die terroristischen Aktivit√§ten extremistischer Gruppen, v. a. der ETA, und zur Abwehr verfassungsfeindlicher Umsturzversuche verabschiedeten die Cortes 1981 ein Gesetz zur Bek√§mpfung von Rebellion und Terrorismus. Mit dem Beitritt Spaniens zur NATO (1982) wurden die spanischen Streitkr√§fte in ein B√ľndnis demokratischer Staaten politisch eingebunden. Britisch-spanische Gespr√§che f√ľhrten in den folgenden Jahren zur vollst√§ndigen √Ėffnung der spanischen Grenze gegen√ľber Gibraltar.
 
Mit dem Zerfall der politisch heterogenen UCD (1981/82) f√§cherte sich das Parteienfeld, das bereits durch eine Vielzahl regionalistischer Parteien gekennzeichnet war, weiter auf. Bei den Wahlen von 1982 errang der Partido Socialista Obrero Espa√Īol (PSOE) die absolute Mehrheit und stellte mit F. Gonz√°lez M√°rquez den Ministerpr√§sident (Wiederwahl 1986, 1989 und 1993; 1986 mit absoluter Mehrheit). Mit sozialpolitischen Ma√ünahmen (z. B. Einf√ľhrung der 40-Stunden-Woche) suchte Gonz√°lez das demokratische Regierungssystem gesellschaftspolitisch abzusichern, stie√ü aber in den folgenden Jahren mit seiner Bildungs- und Schulpolitik auf wachsenden Widerspruch liberal-konservativer Kreise, mit seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik auf steigende Ablehnung in der Arbeiterschaft (Generalstreik 1988 und 1994). In der Au√üenpolitik √§nderte der PSOE seine Orientierung und respektierte die Bef√ľrwortung des Verbleibs in der NATO durch Volksentscheid (1986). Den 17 autonomen Regionen gew√§hrte die Regierung Gonz√°lez in einem ¬ĽAutonomiepakt¬ę (3. 3. 1992 mehr Kompetenzen (v. a. im Bildungsbereich). Seit Ende 1994 wurde das innenpolitische Klima in Spanien bestimmt durch Presseberichte, die die Regierung Gonz√°lez der Korruption und der Unterst√ľtzung von Staatsterrorismus (bei der Bek√§mpfung der ETA) beschuldigten. Die manipulierte Kampagne gegen den Ministerpr√§sident (als solche Anfang 1998 enth√ľllt) brachte die Minderheitsregierung in Schwierigkeiten: Nachdem die katalanische Regionalpartei CiU die Unterst√ľtzung aufgek√ľndigt hatte, l√∂ste Gonz√°lez das Parlament im Januar 1996 auf. In der langen Periode der PSOE-Regierung wurde Spanien modernisiert und zu einem Teil der EU (EG-Beitritt 1986); 1989 wurde die Peseta in das Europ√§ische W√§hrungssystem (EWS) einbezogen. Zur wichtigsten Oppositionspartei hatte sich seit Anfang der 90er-Jahre der konservative Partido Popular entwickelt. Er ging aus den vorgezogenen Parlamentswahlen im M√§rz 1996 als st√§rkste Partei hervor, zum Ministerpr√§sidenten wurde ihr Vorsitzender J. M. Aznar L√≥pez gew√§hlt. Seine Minderheitsregierung wurde unterst√ľtzt von der katalanischen CiU, bis Herbst 1997 auch von der b√ľrgerlichen baskischen Partei PNV. Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik des PP (u. a. Erf√ľllung der Euro-Kriterien) und die Richtungsk√§mpfe innerhalb des PSOE brachten Aznar L√≥pez im M√§rz 2000 die Wiederwahl mit absoluter Mehrheit.
 
Das √∂ffentliche Leben in Spanien wird immer wieder von den Terroranschl√§gen der ETA ersch√ľttert, die nicht auf das Baskenland beschr√§nkt bleiben und die auf die Grundlagen des Staates zielen, in der Bev√∂lkerung aber auf einhellige Ablehnung sto√üen. Die Forderungen nach gr√∂√üerer Autonomie (v. a. bei der Erhebung und Verwendung von Steuern) bleiben dennoch nicht ohne Einfluss auf die Diskussion um das spanische Staatsmodell, das wegen der historisch unterschiedlich gewachsenen Privilegien der Regionen (v. a. im Baskenland, in Katalonien und Navarra) keinen F√∂deralismus auf der Basis der Gleichberechtigung erlaubt.
 
In der internationalen Diplomatie spielt Spanien eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Lateinamerika und der EU (iberoamerikanisches Gipfeltreffen), auch vertritt es in der EU die Interessen der s√ľdlichen und √∂stlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers. Im Juli 2002 brach zwischen Marokko und Spanien ein Streit um die von beiden beanspruchte unbewohnte kleine Felseninsel Perejil (Petersilieninsel) vor der marokkanischen K√ľste aus (Vertreibung kurz zuvor auf der Insel gelandeter marokkanischer Soldaten durch spanisches Milit√§r); Marokko erhob nun offiziell auch Anspr√ľche auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla.
 
 
Allgemeines:
 
E. Arija Rivar√©s: Geografia de Espa√Īa, 3 Bde. (Madrid 1972-75);
 F. R. Allemann u. a.: S. (Luzern 1978);
 M. Stegger: Fremdenverkehr u. Regionalentwicklung dargestellt am Beispiel S. (1980);
 T. Breuer: S. (1982);
 S. de Madariaga: S. Land, Volk u. Gesch. (a. d. Span., 31983);
 M. Ehrke: Die span. Wirtschaft in Europa zw. EG-Beitritt u. europ. Binnenmarkt 1992 (1990);
 
S.-Lex. Wirtschaft, Politik, Kultur, Gesellschaft, bearb. v. W. L. Bernecker u. a. (1990);
 D. Nohlen u. A. Hildenbrand: S. Wirtschaft - Gesellschaft - Politik (1992);
 
Spain 1991/92, hg. v. der OECD (Paris 1992);
 K. Adomeit: Einf. in das span. Recht (1993);
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 W. Herzog: S. (31995);
 G. Haensch u. G. Haberkamp de Antón: Kleines S.-Lex. (21996);
 A. König: Zur span. Kultur u. Identität (1996);
 H. Adolph: Entwicklung zum modernen Sozialstaat in S. (1997);
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 Geschichte:
 
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S.-Ploetz. Die Gesch. S.s u. Portugals zum Nachschlagen, bearb. v. K.-J. Ruhl u. a. (31993).
 
Quellen: Actas de las Cortes de C√°diz, bearb. v. E. Tierno, 2 Bde. (Madrid 1964);
 
Constituciones y otras leyes y proyectos pol√≠ticos de Espa√Īa, bearb. v. D. Sevilla Andr√©s, 2 Bde. (Madrid 1969);
 
Leyes pol√≠ticas espa√Īolas fundamentales. 1808-1978, hg. v. E. Tierno Galv√°n (ebd. 21979, Nachdr. ebd. 1984).
 
Zeitschriften: Boletín de la Real Academia de la Historia (Madrid 1877 ff.);
 
Cuadernos de historia de Espa√Īa (Buenos Aires 1944 ff.);
 
Span. Forsch. der G√∂rresgesellschaft. Reihe 1: Ges. Aufs. zur Kulturgesch. S.s, Bd. 9 ff. (1954 ff., fr√ľher unter anderem Titel);
 
Cuadernos de historia: anexos de la revista Hispania (Madrid 1967 ff.).
 
Allgemeines und Gesamtdarstellungen: R. Konetzke: Gesch. des span. u. port. Volkes (1939);
 P. B. Gams: Die Kirchengesch. von S., 5 Tle. (1862-79, Nachdr. Graz 1956);
 
Historia de Espa√Īa, hg. v. R. Men√©ndez Pidal, auf zahlr. Bde. ber. (Madrid 1-71966 ff.);
 J. Vicens Vives u. J. Nadal Oller: An economic history of Spain (a. d. Span., Princeton, N. J., 1969);
 J. Vicens Vives: Gesch. S.s (a. d. Span., 1969);
 F. Wahl: Kleine Gesch. S.s (21971);
 F. Díaz-Plaja: S. (a. d. Span., 1977);
 
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¬†W. L. Bernecker und H. Pietschmann: Geschichte S.s.Von der fr√ľhen Neuzeit bis zur Gegenwart (32000).
 
Von den Anfängen bis zum 18. Jh.: R. Konetzke: Das span. Weltreich. Grundl. u. Entstehung (1943);
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 D. W. Lomax: Die Reconquista. Die Wiedereroberung S.s durch das Christentum (a. d. Engl., 1980);
 J. H. Elliott: Imperial Spain. 1469-1716 (Neuausg. Harmondsworth 1981);
 J. H. Elliott: Spain and its world. 1500-1700 (New Haven, Conn., 1989);
 J. Lynch: Spain under the Habsburgs, 2 Bde. (Oxford 21981);
¬†H. Heine: Gesch. S.s in der fr√ľhen Neuzeit. 1400-1800 (1984);
 M. Defourneaux: S. im Goldenen Zeitalter (a. d. Frz., 1986);
 F. Woerdemann: Die Beute gehört Allah. Die Gesch. der Araber in S. (21986);
 J. Pérez: Ferdinand u. Isabella. S. zur Zeit der kath. Könige (a. d. Frz., 1989);
 C. Benedek: Das iber. Erbe S.s (tlw. a. d. ungar. Ms., 1990);
 
500 Jahre Vertreibung der Juden S.s: 1492-1992, hg. v. H. H. Hendrix (1992);
¬†M. √Ā. Ladero: Das S. der kath. K√∂nige (a. d. Span., Innsbruck 1992);
 L. Vones: Gesch. der Iber. Halbinsel im MA. 711-1480 (1993);
¬†A. Hottinger: Die Mauren. Arab. Kultur in S. (Z√ľrich 21996);
 
Medieval Spain. Essays on the history and literature of medieval Spain, hg. v. D. J. Kagay u. J. T. Snow (New York 1997).
 
19. und 20. Jh.: J. Harrison: An economic history of modern Spain (Manchester 1978);
 R. Carr u. J. P. Fusi: Spain. Dictatorship to democracy (London 21981);
 R. Carr: Spain. 1808-1975 (ebd. 21982);
 V. Mauersberger: S. - Wandel nach Europa (Aarau 1991);
 
S. nach Franco. Der √úbergang von der Diktatur zur Demokratie 1975-1982, hg. v. W. L. Bernecker u. C. C. Seidel (1993);
¬†Marita M√ľller: Polit. Parteien in S. 1977-1982 (1994);
 W. Haubrich: S.s schwieriger Weg in die Freiheit. Von der Diktatur zur Demokratie, 2 Bde. (1995-97);
¬†W. L. Bernecker: S.s Gesch. seit dem B√ľrgerkrieg (31997).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Gro√üreiche: Kolosse auf t√∂nernen F√ľ√üen?
 
Spanien und die Reconquista: Eine Großmacht entsteht
 
spanisches Weltreich: Das Reich, in dem die Sonne nicht untergeht
 
Spaniens Hegemonie im 16. und 17. Jahrhundert: Katholische Vormacht
 
Lateinamerika zwischen Kolonialismus und Unabh√§ngigkeit (1763 bis 1820): Spaniens R√ľckzug aus der Neuen Welt
 
Spanischer B√ľrgerkrieg: Testfall f√ľr Europa und die Gro√üm√§chte
 
Entkolonialisierung: Das Ende der Kolonialherrschaft und die Bewegung der Blockfreien
 

* * *

Spa|ni|en; -s: Staat im S√ľdwesten Europas.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Spanń≠en ‚ÄĒ (hierzu die Karte ¬ĽSpanien und Portugal¬ę), K√∂nigreich in S√ľdwesteuropa, nimmt dea gr√∂√üten Teil der Pyren√§ischen Halbinsel ein und erstreckt sich zwischen 36¬į 43¬į47 n√∂rdl. Br. und 9¬į18 westl. bis 3¬į20 √∂stl. L. S. (span. Espa√Īa, franz. Espagne, lat ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Spanien [3] ‚ÄĒ Spanien (Gesch.). I. Vorgeschichtliche Zeit. Die Pyren√§ische Halbinsel war den Griechen lange unbekannt; als man Kunde von dem Lande erhalten hatte, hie√ü der √∂stliche Theil Iberia, der s√ľd√∂stliche od. s√ľdwestliche Theil jenseit der S√§ulen… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien [2] ‚ÄĒ Spanien (n. Geogr., span. Espa√Īa, franz. l Espagne, latein. Hispania), 1) das Spanische Reich umfa√üt gegenw√§rtig das eigentliche S. als Mutterland (9071,81 geogr. QM.), die umliegenden Besitzungen (los adyacentes) u. die √ľberseeischen Colonien.… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien ‚ÄĒ und Portugal ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Spanien [4] ‚ÄĒ Spanien (Geneal.). Auf dem spanischen Throne sitzt seit 1701 eine Linie der Bourbons, welche der erste K√∂nig aus diesem Hause, Philipp V., mit seinen Descendenten aus seinen Ehen mit Luise Marie von Savoyen u. mit Elisabeth von Parma gr√ľndete, s ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien [5] ‚ÄĒ Spanien, K√∂niglicher Orden von S., gestiftet 1809 vom K√∂nig Joseph Napoleon zur Befreundung der neuen Dynastie mit dem Adel Spaniens u. zur Belohnung der Anh√§nglichkeit u. Treue; Ordenszeichen: ein f√ľnfspitziger, roth emaillirter, mit goldnem… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien ‚ÄĒ Spanien, K√∂nigreich, den gr√∂√üten Teil der Pyren√§ischen Halbinsel umfassend [Karten: Spanien und Portugal I u. II], 497.213 qkm, (1900) 18.235.841 E., mit den Kanarischen Inseln und den Presidios (s.d.) 504.552 qkm, 18.617.956 E. Es ist zur H√§lfte ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Spanien ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: ‚ÄĘ Sally f√§hrt oft nach Spanien ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Spanien [1] ‚ÄĒ Spanien (a. Geogr. u. Antiq.). Dieses Land, welches im Alterthum auch Portugal begriff, war bis zur Invasion der R√∂mer sehr wenig bekannt, f√ľhrte auch keinen gemeinschaftlichen Namen, sondern die Ostk√ľste hie√ü Iberia, die Westk√ľste Tartessis u.… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien ‚ÄĒ Spanien, das K√∂nigreich, umfa√üt √ľber 5/6 der pyren√§ischen Halbinsel od. 8364 QM., mit den balearischen und kanarischen Inseln 8598 QM., liegt zwischen Frankreich, dem Ocean, Portugal und dem mittell√§nd. Meere. Das kontinentale S. ist ein Hochland ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Spanien ‚ÄĒ Reino de Espa√Īa K√∂nigreich Spanien ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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